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Thema: China

  1. #16
    Avatar von doc
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    Zitat Zitat von marcus Beitrag anzeigen
    bin gestern bei fefe auf folgenden twitterlink gestoßen, der das empfinden hier sehr gut zusammenfasst :

    https://twitter.com/mikelayestaran/s...63559020363777
    Ja, dass in Mailand selbst die Hotels noch arbeiten, ist bedrückend. Hier ist es nach meinem Eindruck etwas verantwortungsvoller, aber man (die Politik) hat Angst, dass die Wirtschaft zusammenbricht. Dabei haben wir eigentlich eine recht stabile Wirtschft, die dies verkraften sollte. In Italien würde ich mir da mehr Sorgen machen, was aber vielleicht auch der Grund ist, dass man sich dort einen totalen Shutdown einfach nicht leisten kann. Es wird auf EU-Ebene und bei der EZB darüber diskutiert, ob Italien das neue Griechenland wird.

    Wie ist es in China? Werden Kleinunternehmer dort wirtschaftlich unterstützt? Bekommen sie eine Entschädigung, zinslose Kredite o.ä.?

  2. #17

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    es gab zuschüsse für arbeiter, die nicht zur arbeit zurückkehren konnten und viele zahlungen wie mieten, strom/wasser/sasrechnungen wurden gestundet. steuern wurden mWn teils erlassen.
    die meisten shops haben aktuell wieder geöffnet und ich habe preissteigerungen bemerkt, sei es im shop um die ecke, im bikeshop oder auch im gemuesestand. gefühlt vielleicht 5 bis 10 Prozent, aber das ist nur mein subjektives empfinden. meine frau hat bemerkt das ihr übliches frühstück von 1,5 rm auf 2 rmb gestiegen ist. vermute daher, dass viel bei den händlern hängengeblieben ist und diese nun versuchen, dies mit preissteigerungen auszugleichen.

  3. #18
    Avatar von doc
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    Zitat Zitat von marcus Beitrag anzeigen
    es gab zuschüsse für arbeiter, die nicht zur arbeit zurückkehren konnten und viele zahlungen wie mieten, strom/wasser/sasrechnungen wurden gestundet. steuern wurden mWn teils erlassen.
    die meisten shops haben aktuell wieder geöffnet und ich habe preissteigerungen bemerkt, sei es im shop um die ecke, im bikeshop oder auch im gemuesestand. gefühlt vielleicht 5 bis 10 Prozent, aber das ist nur mein subjektives empfinden. meine frau hat bemerkt das ihr übliches frühstück von 1,5 rm auf 2 rmb gestiegen ist. vermute daher, dass viel bei den händlern hängengeblieben ist und diese nun versuchen, dies mit preissteigerungen auszugleichen.
    Also eher weniger Unterstützung der Einzelhändler. Da ist dann die Preiserhöhung nachvollziehbar. Das werden wir hier wohl auch erleben. Alles wird teurer, Löhne (müssen) steigen, das jetzige Geld ist weniger wert. Ersichtlich hat die Politik aber aus Weimar gelernt und pumpt jetzt hoffentlich Geld ins System.

    P.S. hier noch im Nachgang ein Interview mit einem (angeblichen) China-Experten: https://www.n-tv.de/politik/Wir-befi...=pocket-newtab
    Geändert von doc (22.03.2020 um 14:21 Uhr)

  4. #19

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    Zitat Zitat von doc Beitrag anzeigen
    Zitat Zitat von marcus Beitrag anzeigen
    es gab zuschüsse für arbeiter, die nicht zur arbeit zurückkehren konnten und viele zahlungen wie mieten, strom/wasser/sasrechnungen wurden gestundet. steuern wurden mWn teils erlassen.
    die meisten shops haben aktuell wieder geöffnet und ich habe preissteigerungen bemerkt, sei es im shop um die ecke, im bikeshop oder auch im gemuesestand. gefühlt vielleicht 5 bis 10 Prozent, aber das ist nur mein subjektives empfinden. meine frau hat bemerkt das ihr übliches frühstück von 1,5 rm auf 2 rmb gestiegen ist. vermute daher, dass viel bei den händlern hängengeblieben ist und diese nun versuchen, dies mit preissteigerungen auszugleichen.
    Also eher weniger Unterstützung der Einzelhändler. Da ist dann die Preiserhöhung nachvollziehbar. Das werden wir hier wohl auch erleben. Alles wird teurer, Löhne (müssen) steigen, das jetzige Geld ist weniger wert. Ersichtlich hat die Politik aber aus Weimar gelernt und pumpt jetzt hoffentlich Geld ins System.

    P.S. hier noch im Nachgang ein Interview mit einem (angeblichen) China-Experten: https://www.n-tv.de/politik/Wir-befi...=pocket-newtab
    sehr interessantes interview, danke!

    die einzelhändler/strassenhändler haben hier sehr andere dedingungen als in europa. zum vergleich: mit 2700 rmb (mindestlohn in xi'an) kommt man hier ohne große schwierigkeiten um die runden. ich selbst hab manche monate mit diesem budget ohne schwierigkeiten überstanden. der fixkostenanteil für kleinere unternehmen ist also viel kleiner, als z.b in Europa, wo allein das überleben inkl miete gerne 1000 euro pro Monat übersteigt.

  5. #20
    Avatar von Wümme Wiese
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    Worauf ich eigentlich auch selber hätte kommen können, was ich aber jetzt erstmals in dem Interview lese: Europa fährt die politische Strategie der Durchseuchung, China aber die der Eindämmung. Ist mir vorher nicht so bewusst gewesen, erklärt aber natürlich einiges. Bisher hatte ich das von Drosten und Co immer so verstanden, dass Durchseuchung alternativelos ist. Deshalb wunderte ich mich auch so über die Lockerung der Maßnahmen in China. Aber wenn China auf Eindämmung setzt wird das klar. Ausserdem erklärt es die Angst vor Ansteckung aus dem Ausland, da in China natürlich die Gefahr einer zweiten Welle bis zur Entdeckung eines Impfstoffes präsent sein wird.
    Auch interessant: die Auswertung von Geodaten von Handys war ein enormer Vorteil zum Auffinden der Infektionsketten.
    Geändert von Wümme Wiese (22.03.2020 um 18:31 Uhr)
    Mit einem Verrückten zu streiten ist Wahnsinn. (G. M. Burrows, 1828)

  6. #21
    Avatar von doc
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    Zitat Zitat von Wümme Wiese Beitrag anzeigen
    Worauf ich eigentlich auch selber hätte kommen können, was ich aber jetzt erstmals in dem Interview lese: Europa fährt die politische Strategie der Durchseuchung, China aber die der Eindämmung. Ist mir vorher nicht so bewusst gewesen, erklärt aber natürlich einiges. Bisher hatte ich das von Drosten und Co immer so verstanden, dass Durchseuchung alternativelos ist. Deshalb wunderte ich mich auch so über die Lockerung der Maßnahmen in China. Aber wenn China auf Eindämmung setzt wird das klar. Ausserdem erklärt es die Angst vor Ansteckung aus dem Ausland, da in China natürlich die Gefahr einer zweiten Welle bis zur Entdeckung eines Impfstoffes präsent sein wird.
    Auch interessant: die Auswertung von Geodaten von Handys war ein enormer Vorteil zum Auffinden der Infektionsketten.
    Es sind einfach zu viele Unwägbarkeiten, um zu sagen, welches das bessere Konzept ist. Bislang machen in Europa fast alle die Einschränkungen mit. Aber bleibt es so? Wir werden in ein bis zwei Wochen sehen, ob die bisherigen Maßnahmen einen Effekt haben. Dann sehen wir weiter, was dann gemacht werden muss. Das es in China mit deren Maßnahmenpaket klappt ist ja auch nicht sicher. Und wollen wir vorschnell das Überwachungssystem kopieren? Wollen wir so leben? Bislang finde ich, dass - noch - angemessen reagiert wird. In Spanien und Italien liegen andere Grundvoraussetzungen vor. In USA und GB auch. Wir sind zu verschieden, um gleichartige Lösungen zu finden.

    Was mich echt ankotzt ist der Bericht, dass die Polen und Tschechen - angeblich - für Italien bestimmte Lieferungen von Masken und medizinischen Geräten beschlagnahmt haben. Wenn der Bericht stimmt, ist dies das Ende der EU, wie wir sie kennen. Ich will jetzt nicht kitschig werden, aber - wir (we the people) haben es in der Hand, wie die Zukunft aussehen soll. Aktuell sehe ich es so, dass die meisten in Deutschland es geblickt haben. Solidarität (mit den Schwachen und Kranken) geht vor Egozentrismus. Deswegen war ich auch sehr froh, dass Deutschland zu Beginn der Krise Gerät nach China geschickt hat und jetzt nach Italien.

    P.S. Die Frage ist allerdings, ob die Menschen in Deutschland die Einschränkungen jetzt freiwillig hinnehmen, weil sie selbst Angst vor dem Virus haben oder aus Überzeugung solidarischen Verhaltens. Im Grunde ein Lackmustest für unsere Gesellschaft. Es wird sehr spannend werden.
    Geändert von doc (22.03.2020 um 21:55 Uhr)

  7. #22
    Avatar von K
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    Warum waren die eigentlich in Polen/Tschechien? Transportiert man sowas auf dem Landweg?

    Edit: Oh, und der Artikel wurde inzwischen auch verändert: https://www.diepresse.com/5789041/po...te-fur-italien
    Geändert von K [Mod] (22.03.2020 um 21:49 Uhr)

  8. #23
    Avatar von doc
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    Zitat Zitat von K Beitrag anzeigen
    Warum waren die eigentlich in Polen/Tschechien? Transportiert man sowas auf dem Landweg?

    Edit: Oh, und der Artikel wurde inzwischen auch verändert: https://www.diepresse.com/5789041/po...te-fur-italien
    Ok: Entschuldigung aus Tschechien. Was sagt Polen?

    Zu den Wegen: Mitunter sind es Kosten- und Zollgründe, derartige Wege zu wählen. Dann ist es auch eine Frage der Kennzeichung der Waren. Habe während meines Studiums grenzüberschreitende Sondertransporte für eine Spedition gefahren. Kann sehr kompliziert sein.

    Noch ein Artikel: https://taz.de/Studie-ueber-Chinas-C...fung/!5671857/
    Geändert von doc (23.03.2020 um 00:41 Uhr)

  9. #24

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    Zitat Zitat von marcus Beitrag anzeigen
    ni hao!

    als expat und werderfan in china wird es mMn zeit für einen eigenen thread. es gab sowohl im akt. nachrichten/corona/urlaubsthread einige posts, die sich dann doch speziell um das land drehten und um dann on topic zu bleiben könnte dies ein geeigneter platz sein.

    china ist ein faszinierendes land und hat viele kontroverse aspekte, die dann hier einen faden hätten. ich hab versucht, meine sichtweise über dieses land darzustellen und tue dies gerne weiterhin. aber im coronathread über chinesische umweltschutzmaßnahmen zu diskutieren ist vielleicht nicht angebracht.

    falls dieser thread keinen sinn macht bitte ich einen mod, es einfach zu löschen. anderenfalls bin ich offen für jegliche diskussion und freue mich über jeden interessierten worumianer.

    gruen weiße grüße
    marcus
    Wie lange lebst du denn in China bzw möchtest du irgendwann nach Deutschland zurück?
    Ich kann mir nicht vorstellen in einem Land mit einem autoritären Regime zu leben. Und möchte das auch nicht. Egal wie schön das Land ansonsten ist und wie toll die Landschaft oder die normale Bevölkerung oder wieviel Geld ich in den Land beruflich verdienen könnte. Aber wenn die Diktaturen die Menschen unterdrücken, will ich da nicht hin. Auch wenn in westlichen Demokratien viel im Argen liegt und manchen Politiker hier auch merkwürdig drauf sind (Trump), aber was Türkei, Russland, China, Saudi Arabien, Nordkorea etc abziehen ist abartig. Meinungsfreiheit ist mir da schon ein wichtiger Aspekt bei der Auswahl des Landes, in dem ich leben möchte...
    Wie siehst du das, kommst du damit moralisch klar, mit einer demokratischen freiheitlichen Denke in einer Diktatur zu leben?

  10. #25

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    wohne jetzt 2,5 jahre hier und habe eine aufenthaltsgenehmigung für weitere 2 jahre. was dann passiert hängt davon ab, wie es jobmäßig bei mir und meiner frau aussieht. aktuell können wir es uns sehr gut vorstellen, hier zu bleiben. unser beider leben ist hier viel besser/aussichtsreicher als es in europa war. jobmäßig ist es gar nicht mal der lohn an sich, sondern welche möglichkeiten hier bestehen. lebe hier auf wesentlich geringerer flamme/einkommen, aber kann dinge verwirklichen, die ich in meinem alten leben mit gutbezahltem job in europa nicht machen konnte.
    das autoritäre regime kommt mir hier in form von übermäßiger bürokratie und überwachung oft zu gesicht. ersteres nervt hart, zweiteres kenne ich aber auch durchaus aus westlichen ländern. bei meinem alten arbeitsweg in amsterdam hatten mich auch hunderte kameras aufgenommen und handydaten wurden auch von vielen stellen erfasst. es gibt da so einen spruch: chinesen wissen, wer sie überwacht bzw das sie überwacht werden.

    moralisch komme ich gut damit klar, hier zu leben. mit manchen freiheiten bin ich deutlich eingeschränkt, kann mich also z.b. politisch nicht über das private hinaus engagieren ohne meinen aufenthaltsstatus zu riskieren. andere freiheiten ergeben sich jedoch aus dem umstand, das ich hier als ausländer möglichkeiten habe, die ich in europa so nicht hätte. ich kenne china seit fast 15 jahren und sehe viele veränderungen in der gesellschaft, hier passieren dinge in einem schnellen tempo und auch die menschen verändern sich dadurch, dass sie mehr von der welt wissen und gesehen haben.

    das ist jetzt vielleicht etwas provokant und ich will damit die menschenrechtslage hier nicht beschönigen - es passieren viele krasse dinge hier, aber : wenn ich anschaue, was andere länder wie die USA weltweit anrichten oder auch z.b. die deutsche/europäische rüstungsindustrie verursacht finde ich, das es in vielen staaten unabhängig vom politischen system große kritikpunkte gibt. wenn man in die europäische kolonialgeschichte guckt oder wie die amerikanische dominanz im letzten jahrhundert zu vielen kriegen und leid geführt hat finde ich in relation dazu china nicht so schlimm. das ist ggü jedem uiguren im lager oder inhafiertem kritiker vielleicht zynisch und jeder dieser menschen hat das nicht verdient, aber meine perspektive ist grade wenn es um die großen zwei weltmächte geht die USA trotz all ihrer angeblichen freiheiten der größere verbrecher ist.

  11. #26

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    Was für Freiheiten hast du in China als Ausländer, die du in Europa nicht hättest?
    Und du hast geschrieben, dass die Menschen sich in China verändert haben in den letzten Jahren, weil sie mehr von der Welt wissen. Inwiefern haben sie sich verändert? Sehen sie das Regime kritischer als vor 20 Jahren?

    Klar gibt es in vielen Ländern kritische Punkte was Politik betrifft.
    Aber man kann die Rüstungsexporte aus Deutschland jetzt auch nicht mit dem totalitären Überwachungsstaat China vergleichen, ohne Meinungsfreiheit oder Pressefreiheit. Hier darfst du die Rüstungsexporte und die Regierung kritisieren, versuch das mal in China.
    Das ist für mich auch der Unterschied zu westlichen Staaten und China. Du hast absolut recht, die Kriege des letzten Jahrhunderts der USA sind scharf zu kritisieren. Aber das darfst du eben auch, selbst in den USA. Dort darfst du die Regierung kritisieren und es gibt eine große Opposition. Die sucht man in China vergeblich. Und darum geht's für mich, wenn man in einem Land lebt, sollte man seine Meinung sagen und Zustände kritisieren dürfen. Zum Beispiel Chinas Verhalten gegenüber Tibet und Hongkong.

    Und klar, die Kolonialpolitik der vergangen Jahrhunderte von europäischen Staaten waren genauso schlimm. Aber wir reden ja von der aktuellen Situation, da ist die Freiheit in Europa doch deutlich angenehmer als China, Russland, Türkei etc.
    Mag sein dass außenpolitisch die letzten Jahrhunderte die USA am schlimmsten war. Aber innenpolitisch sind die Diktaturen schlimmer, gerade wenn man dort wohnt. Wir reden nicht von vergangen Zeiten. 1943 hätte ich auch nicht in Deutschland wohnen wollen. Aber im Jahr 2020 ist ein Land, in dem ich die Regierung nicht kritisieren darf, keine Option zum wohnen für mich.

  12. #27

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    persönlich habe ich hier die freiheit dinge zu tun, die ich in europa so nicht hätte machen können. seitdem ich hier in china wohne fokussiere ich mich auf meine passion fahrradfahren und bin durch meinen status als ausländer viel eher in der lage, damit ein klein wenig geld zu verdienen. es genügt nicht, davon zu leben, aber da die lebenshaltungskosten hier für mich sehr viel geringer sind als in europa komme ich zurecht, auch wenn ich meine ersparnisse angreife. auch andere erfahrungen wie movieshots oder modeljobs sind für mich hier nur möglich, weil ich hier halt exotisch bin.
    in amsterdam, wo ich zuletzt gelebt habe ging es mir finanziell gut, aber hatte keine chance aus dem bürohamsterrad rauszukommen. hier ist mir das möglich. klar ist das keine freiheit, die chinesen vergleichbar haben, aber du fragtest ja nach meiner persönlichen freiheit.

    mir ist klar, dass ich hier keine meinungsfreiheit oder pressefreiheit habe, aber durch die gesellschaftlichen veränderungen der letzten jahre und dem umstand, dass immer mehr chinesen kritischer werden gibt es zumindest im privaten kreis, die möglichkeit, sich frei auszutauschen. im öffentlichen raum ist man meist vorsichtiger, im privaten kreis geht es dann aber doch oft richtig zu sache. fahre gelegentlich für ein japanisch/amerikanisches team, welches einige fahrer aus hk/taiwan/mainland china im team hat. die jungs nehmen kein blatt vor dem mund und scheuen sich auch nicht zurück in öffentlichen räumen wie hotels/restaurants klartext zu sprechen.

    es gibt in den letzten jahren durchaus gegenwind für das regime, grade auch zuletzt durch das anfänglich zögerliche krisenmanagement in der coronakrise. auf wechat gab es viel kritik und zunehmend auch mehr blogger/freie journalistische tätigkeiten, die nicht komplett unterdrückt werden/werden können. auch themen wie die kulturrevolution oder das massaker vom 04.juni sind durchaus weiterhin gesprächsthemen und kein tabu mehr, wie noch vor einigen jahren.

    verstehe deine punkte bzgl der wahl deines wohnorts und der vorzüge der demokratie durchaus und kann sie auch nachvollziehen. gab hier auch schon so manche situation, die mich herausgefordert hat. so z.b. wenn mein bester chinesischer freund anfänglich das thema politik komplett für uns verboten hat, aus angst, dass es uns beiden nur zum nachteil sein kann. inzwischen haben wir das nicht mehr so streng, aber es bleibt oft kompliziert, grade weil viele informationen halt nicht so einfach zu bekommen sind und selbstständiges kritisches denken nicht grade weit oben auf dem lehrplan steht.. es gehört einiges vertrauen dazu, sich hier frei auszutauschen, wenn das jedoch erreicht ist wird hier genauso über die da oben gelästert und geschimpft wie woanders auf der welt.

    bzgl deines einwurfs in europa oder USA dürfte man ja frei kritisieren: hat es die mächtigen je wirklich aufgehalten, ihre agenda durchzubringen ?

  13. #28
    Avatar von doc
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    Zitat Zitat von marcus Beitrag anzeigen
    bzgl deines einwurfs in europa oder USA dürfte man ja frei kritisieren: hat es die mächtigen je wirklich aufgehalten, ihre agenda durchzubringen ?

    Ja, hat es, wenn man Meinungs-, Versammlungs und Pressefreiheit im Zusammenhang sieht. Ich fang mal bei Nixon an.....und komme irgendwann bei Greta an.

    Es gibt genügend Beispiele, in denen Politiker wegen der Wahrnehmung o.g. Grundrechte gestürzt sind oder die Wahrnehmung dieser zu einer Änderung der Politik geführt hat.

    Verstehe Dich aber auch. Es ist immer eine persönliche Frage, welchen Preis man bereit ist, für bestimmte Vorteile zu zahlen.

    Im Übrigen nochmals danke für die Infos aus dem "Reich der Mitte".

  14. #29

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    Hambacher Forst, um mal ein ganz konkretes Beispiel hier aus DE zu nennen..

  15. #30

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    es gibt sicher einige beispiele wo politiker an der presse oder öffentlichen druck gescheitert sind, aber an der grundlegenden auslegung, wer in der politik bestimmt haben einzelne rollende köpfe selten etwas geändert. ich möchte da auf eisenhowers warnung vorm militärisch industriellem komplex erinnern, der mMn heute genauso an der macht ist wie zum zeitpunkt des zitats.
    greta schaetze ich, weil sie hilft ein immens wichtiges thema in die koepfe zu bekommen und hurra zum erhalt des hambacher forsts, aber in bezug zur weltweiten machtverteilug spielen beide themen nur eine untergeordnete rolle

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