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Thema: American Football - Taktiken, Schemes, Fragen etc.

  1. #1
    Stiff Little Finger
    Gast

    American Football - Taktiken, Schemes, Fragen etc.

    Moin!

    Ich erstelle diesen Thread als Ergänzung zum bereits bestehenden Thread, der sich ja vorwiegend mit der NFL und College Football als Liga beschäftigt, in dem in erster Linie aktuelle Themen besprochen werden. Hier soll sich vor allem auf das Spiel als solches konzentriert werden - Taktiken, Schemes, Nomenklatur, Fragen, Breakdown von Plays etc.

    Da jeder ein anderes Verständnis vom Football hat, soll das hier auch ein Platz zum Lernen sein. Wer selber so etwas wie bspw. Schemes erklären möchte oder Fragen hat - immer her damit! Ich werde den untenstehenden Post mit Links zu wichtigen Sachen möglichst aktuell halten.

    Auf die Idee für diesen Thread bin ich gekommen, weil ich in Kürze ein bisschen ins Coaching einsteige und dementsprechend natürlich Sachen erklären muss. Da dachte ich mir, dass das hier vielleicht auch den einen oder anderen interessieren könnte.

    Ganz kurz zu meinem Bezug zu American Football: Angefangen hat das ganze mit ca. 12 Jahren als mein Cousin mich dazu nötigte, mit ihm Madden NFL zu spielen. Es dauerte nicht lang, da steigerte sich mein Interesse und mit 14 fing ich schließlich an, selber zu spielen. Das Niveau auf dem ich spielte war nicht das höchste und es ging vor allem um den Spaßfaktor. Mit der Zeit lernte ich aber mehr über das Spiel und je mehr ich lernte, desto größer wurde die Faszination. Ich spielte vor allem Defensive Back (vor allem Safety, aber auf unserem Niveau waren die Übergänge bei den Positionen fließend) bis ich mir eine Knieverletzung zu viel zuzog und zu langsam wurde, um da noch großen Spaß zu haben. Habe dann etwas Masse draufgepackt und endete als Linebacker. Mein Wissen bezieht sich also vor allem auf die Defense; ein bisschen Offense kenne ich auch, da ich noch mit vielen meiner ehemaligen Mitspielern in Kontakt und Austausch stehe, die selber Offense gespielt haben.

    Jetzt aber vor allem eins: Viel Spaß!

  2. #2
    Stiff Little Finger
    Gast
    Geändert von Stiff Little Finger (01.05.2020 um 19:37 Uhr)

  3. #3
    Stiff Little Finger
    Gast
    Ich fange mal mit einer grundlegenden Erklärung zur sog. Front Seven an (Defensive Line + Linebacker), da diese das Fundament der Defense ist:


    Defensive Line und Linebacker

    Die Defensive Line (D-Line) ist die vorderste Front der Defense. Der Offensive Line direkt gegenüber gestellt hat sie zwei Hauptaufgaben:

    1) Das Stoppen des gegnerische Laufspiels
    2) Den Pass Rush

    In der Defensive Line unterscheidet man zwei Positionen:
    - Defensive Tackle
    - Defensive End

    Der Defensive Tackle (DT) spielt in der Mitte der Formation, wird deswegen auch öfters Interior Lineman genannt. Seine Hauptaufgabe ist das Stoppen des Laufspiels und das Kollabieren der gegnerischen Pocket durch die Mitte.
    Der Defensive End (DE) spielt wiederum die Außenseiten der Formation, die sogenannten Edges. Er ist vor allem für den Pass Rush über die Außen und das Stoppen von Läufen über die Außenseite verantwortlich.

    Die Linebacker spielen die nächste Ebene der Defense hinter der Defensive Line. Sie werden flexibler eingesetzt als Linemen und sind dementsprechend athletischer. Ihre Aufgaben unterscheiden sich je nach Defense und Scheme, sind aber folgende:

    1) Unterstützung der D-Line gegen das Laufspiel
    2) Pass Rush
    3) Pass Coverage

    Auch hier wird grundlegend zwischen zwei Typen unterschieden:
    - Middle Linebacker (MLB), auch Inside Linebacker (ILB) genannt
    - Outside Linebacker (OLB)

    Der Middle Linebacker ist oft der „Quarterback der Defense“, der die Plays ansagt und in ständiger Kommunikation mit dem Defensive Coordinator steht. Oft ist er der vielseitigste Spieler der Defense, von dem extrem viele verschiedene Aufgaben verlangt werden (Pass Rush, Man Coverage gegen Runningbacks/Tight Ends, QB Spies oder sogar die Verteidigung von tiefen Zonen). Abgekürzt wird er oft einfach Mike genannt.

    Der Outside Linebacker spielt neben dem/den Middle Linebacker(n) die Außenseiten. Unterteilt werden die OLB oft danach, auf welcher Seite sie spielen: Spielt er auf der sog. „Strong Side“ (Dort, wo der Tight End aufgestellt ist) ist dieser OLB entsprechend der Strong Side Linebacker (SLB) oder auch Sam, spielt er auf der Weak Side ist er entsprechend der Weak Side Linebacker oder auch Will. Seine Aufgaben bestehen grundsätzlich darin, Läufe über die Außen zu stoppen, Tight Ends zu decken oder in Zone Coverages die Flats zu übernehmen.

    Je nach Defense unterscheiden sich die Rollen der Positionen deutlich voneinander. Während heutzutage in der NFL die Nickel Formation (ein zusätzlicher Defensive Back für einen Lineman / Linebacker) die Base Defenses als Standardformation abgelöst hat, muss man trotzdem zunächst die Base Defense einer Mannschaft betrachten, um die Rollen der Positionen festlegen zu können. Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Base Defenses: die 3-4 Defense und die 4-3 Defense. Die Zahlen geben an, wie das Verhältnis Linemen <-> Linebacker in der Defense ist. In der 3-4 Defense gibt es 3 Linemen und 4 Linebacker, in der 4-3 Defense andersrum 4 Linemen und 3 Linebacker. Dementsprechend sind die Anforderungen an die Positionen zwischen den beiden Base Defenses unterschiedlich. Die Aufstellung und Aufgabenbereiche der Defensive Line orientieren sich an der Offensive Line. Bezüglich der Aufstellung gibt es vor allem zwei Begriffe, mit denen gearbeitet wird:

    Gaps
    Techniques

    Defensive Alignments (Gaps & Techniques)

    Das Gaps bezeichnet die Lücke zwischen zwei Offensive Linemen. Die Gaps werden mit Buchstaben von innen nach außen nummeriert, dabei werden die Gaps links und rechts gleich bezeichnet: Das Gap zwischen Center und Guard ist das A-Gap, zwischen Guard und Tackle das B-Gap, zwischen Tackle und Tight End das C-Gap. Bei heavy Formationen wie bspw. der Goalline Formation, bei denen mehrere Tight Ends auf einer Seite aufgestellt sind, wird entsprechend weiter nummeriert.

    Die Techniques gibt an, wo der Defensive Lineman aufgestellt ist. Es wird sich dabei an der Offensive Line orientiert: Beginnend mit der 0-technique (direkt gegenüber des Centers) werden die Techniques von innen nach außen nummeriert (s. Grafik 1). Dabei wird unterschieden, ob der Verteidiger direkt gegenüber des Offensive Lineman aufgestellt ist (gerade Zahlen), an dessen Außenschulter (ungerade Zahlen) oder dessen Innenschulter (gerade Zahlen + „i“ für inside).


    3-4 Defense


    Wie angesprochen gibt es je nach Base Defense unterschiedliche Anforderungen und Aufstellung der Defender. In der 3-4 Defense sind diese allgemein folgendermaßen:
    Defensive Tackle (DT): In der 3-4 auch Nose Tackle (NT) genannt. Er spielt fast ausschließlich in der 0-technique und seine Hauptaufgabe ist i. d. R. das Schließen der beiden A-Gaps (2-Gap-technique) um Läufe durch die Mitte zu verhindern. Im Pass Rush ist es für den NT eher sekundär, den Quarterback zu sacken. Vielmehr soll er möglichst zwei Offensive Linemen binden (Center und Guard) um es den Inside Linebackern zu ermöglich, durch das dadurch freiwerdende A-Gap den Quarterback unter Druck zu setzen.

    Ein 3-4 NT sollte sehr groß und sehr schwer sein, um nicht einfach von zwei Offensive Linemen zurückgedrängt zu werden. Als grobe Richtlinie gilt, dass er mindestens 1,90m groß und idealerweise über 140kg schwer sein sollte.

    Defensive End (DE): Der Defensive End in der Base 3-4 Formation spielt meistens eine 5- oder 4-technique. Wie auch beim NT ist dies oft eine 2-gap-technique, da er gegen den Lauf zwei Gaps schließen muss (B- und C-Gap). Der Defensive End hat, ähnlich wie der NT, die Hauptaufgabe, Offensive Linemen zu beschäftigen, um den Linebackern freien Raum für den Pass Rush zu ermöglichen. Allerdings ist er im Pass Rush mehr involviert als der NT.

    Middle Linebacker (MLB): In der 3-4 Defense gibt es zwei Middle Linebacker, die unterschiedliche Rollen bekleiden: Ein MLB ist vor allem dazu da, den Lauf zu verteidigen. Er muss größer und kräftiger sein, um nicht so einfach weggeblockt werden zu können. Der zweite MLB ist leichter und athletischer, er wird vor allem gegen das Passspiel in der Coverage eingesetzt.

    Outside Linebacker (OLB): Die große Stärker der OLB in der 3-4 Defense ist der Pass Rush. Sie sind in der Regel kräftig und schnell und würden in der 4-3 Defense eher Defensive End spielen. Neben dem Pass Rush sollen sie vor allem die D-Line gegen das Laufspiel über die Außen unterstützen.

    Der große Vorteil der 3-4 Defense ist, dass es aufstellungsbedingt nur drei designierte Pass Rusher gibt. Wer der vierte Pass Rusher ist, ist oft erst nach dem Snap erkennbar. Das kann die Blocking Responsibilities durcheinander bringen und so den Pass Rush vereinfachen. Es gibt zahlreiche verschiedene 3-4 Fronts, die jeweils verschiedene Gap-Verantwortlichkeiten und daraus ableitend verschiedene Techniques erfordern. Die drei bekanntesten sind die 3-4 Okie Front, 3-4 Eagle Front und 3-4 Under.


    3-4 Okie Front

    Die 3-4 Okie Front entspricht der klassischen 3-4 Defense. Der Nose Tackle ist in der 0-technique und spielt beide A-Gaps. Die Defensive Ends spielen 4- oder 5-technique und sind verantwortlich für die B- und C-Gaps. Der Will und der Sam spielen aus der 6-technique (Will) und 7-technique (Sam) meistens outside Contain. Die beiden Middle Linebacker sind in der 2-techniques über den sog. „Bubbles“ (Offensive Linemen ohne direkten Gegenspieler) aufgestellt und schließen bei Bedarf A- und/oder B-Gap. Aus der Okie Front werden viele Blitzes und Stunts (DE Slants, X Stunt mit OLB) gespielt.

    3-4 Eagle Front

    Im Gegensatz zur Okie Front ist die Eagles Front ein 1-Gap-Scheme. Der NT spielt in der 0-technique das A-Gap zur Closed Side (Strong Side), die Des spielen aus der 4i-technique die B-Gaps. Der Will spielt aus der 6-technique das C-Gap mit Containment. Der Sam ist der einzige Spieler mit 2-Gap-Responsibility: Durch die B-Gap-Responsibility des Des muss er das C- und das D-Gap übernehmen. Die MLB spielen sog. „A-Gap to scrap“: D. h., gegen Läufe durch die Mitte spielen sie das A-Gap, bei Läufen über die Außen spielen sie parallel zur Line of Scrimmage die angelaufene Seite.


    3-4 Under

    Die 3-4 Under Front ist ebenfalls ein 1-Gap-Scheme. Hier stellt sich der NT in der 1-technique (auch 0 shade) in Richtung der Closed Side auf und übernimmt dort das A-Gap. Der Closed Side DE ist in der 5-technique und spielt das C-Gap. Das B-Gap wird MLB übernommen. Der Sam steht in der 7-technique und ist für das D-Gap verantwortlich. Auf der Open Side spielt der DE aus der 3-technique das B-Gap mit der Möglichkeit bei Bedarf das A-Gap zu spielen. Der MLB auf der Open Side orientiert sich am DE; spielt dieser das B-Gap, füllt der MLB das A-Gap. Spielt der DE das A-Gap, spielt der MLB parallel zur Line of Scrimmage in Richtung des Laufs. Der Will spielt wie bei den anderen beiden Fronts auch Outside Contain.


    4-3 Defense

    Die 4-3 Defense hat nominell die gleichen Positionen wie eine 3-4 Defense, die Anforderungen an diese unterscheiden sich aber teilweise deutlich. 4-3 Defenses lassen sich nochmal grob in zwei verschiedene 4-3s einteilen: 4-3 Even oder 4-3 Over/Under, wobei das 4-3 Over/Under eher die Norm ist.

    Defensive Tackle (DT): Es gibt zwei Arten von DT in einer 4-3 Defense: Einen „normalen“ DT und den Nose Guard/Nose Tackle (N). Der N entspricht eher dem NT aus der 3-4 Defense und hat die Aufgabe, den Lauf zu stoppen und mehrere Linemen zu binden. DTs sind leichter und schneller als Ns und für den Pass Rush essenziell. Teams, die ein 4-3 Even spielen, verzichten oft auf ihn und stellen zwei DTs auf. Der N spielt in 4-3 Over/Under Schemes eine Rolle.

    Defensive End (DE): Der Defensive End in der 4-3 Defense ist im Gegensatz zur 3-4 Defense in erster Linie Pass Rusher. Er spielt damit eher wie ein OLB in der 3-4 Defense und nicht wie ein 3-4 DE. Er muss sowohl kräftig als auch extrem antrittstark und athletisch sein.

    Middle Linebacker (MLB): In der 4-3 Defense gibt es nur einen MLB („Mike“). Der Mike ist in erster Linie für die Run Defense zuständig und daher der kräftigste und schwerste MLB in der NFL. In der Pass Coverage ist er meistens für Fullbacks zuständig; gleichzeitig muss er athletisch genug sein, um auch Zone Coverage spielen zu können.

    Outside Linebacker (OLB): Ähnlich wie in der 3-4 Defense gibt es zwei OLBs, den SLB und WLB („Sam“ und „Will“). Sie werden gegen Lauf und Pass gleichermaßen eingesetzt und müssen dementsprechend athletisch sein.
    Die bereits angesprochenen 4-3 Even, 4-3 Under und 4-3 Over sind die drei gängigsten 4-3 Schemes. Eine Besonderheit dabei ist das sog. „Wide 9“. 4-3 Defenses sind überwiegend 1-Gap-Schemes.


    4-3 Over

    Bei der 4-3 Over Front spielt der N in der 1-technique zur Open Side und das A-Gap, während der DT in der 3-technique Richtung Closed Side aufgestellt und für das B-Gap zuständig ist. Die Linebacker stellen sich in der sog. „Tan-Zero-Tan“ Aufstellung auf (Tan = Tackle, Zero = 0-technique). Der Mike hat die Aufgabe, das A-Gap zur Closed Site zu schließen. Der Will spielt das B-Gap auf der Open Side und der Sam das C-Gap zur Closed Side. Die Defensive Ends stellen sich an den Edges der Formation auf und übernehmen die äußeren Gaps (im Beispiel C- und D-Gap).

    4-3 Under

    Das 4-3 Under tauscht die Aufstellung des DT und des N aus der Over Front. Der DT spielt nun die Open Side in der 3-technique und dort das B-Gap, der N spielt auf der Closed Side aus der 1-technique heraus das A-Gap. Durch diesen Tausch müssen die Linebacker im Vergleich zum 4-3 Over nun in Richtung Closed Side shiften, um alle Gaps schließen zu können. Nun übernimmt der Will das A-Gap der Open Side und der Mike das B-Gap der Closed Side. Der Open Side DE spielt wie vorher auch die Edge, während der DE auf der Closed Side weiter innen spielt, um die Lücke zum N nicht zu groß werden zu lassen. Er spielt nun das C-Gap aus der 4-technique. Die Rolle des Edge Defenders auf der Strong Side wird vom Sam übernommen.

    4-3 Even

    In dieser Formation wird der N durch einen weiteren DT ersetzt. Beide DT splitten den Center und spielen aus der 2i-technique die A-Gaps. Die B-Gaps werden durch die OLB geschlossen. Die DEs spielen aus der 5-techniques die C-Gaps. Der Mike ist dadurch frei; oft shiften der Mike und der Sam in Richtung Closed Side, sodass der Mike das B-Gap übernimmt und der Sam das D-Gap, das ansonsten frei wäre.

    4-3 Wide 9

    Der Name des Wide 9 bezieht sich auf die Aufstellung der DEs: sie stellen sich extrem weit in der 9-technique auf, können dadurch die Offensive Line extrem weit auseinander ziehen. Das Wide 9 kann sowohl aus einer Under- (wie im Beispiel) als auch aus einer Over-Front gebildet werden. Durch die Aufstellung des Closed Side DE als Edge Defender rückt der Sam in diesem Fall nach innen ins C-Gap, sodass hier trotz der Under-Front die Linebacker wie bei der Over Front Tan-Zero-Tan spielen können.

  4. #4
    Avatar von werder_rulez
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  5. #5
    Avatar von ozenfant
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  6. #6
    Stiff Little Finger
    Gast
    Pass Coverage (Part 1: Grundlagen & Klassische Man Coverage Konzepte)


    Mit einer Pass Coverage ist die Aufgabenzuweisung innerhalb der Defense im Falle eines Pass Plays gemeint. Grundsätzlich wird zwischen Zone Coverage und Man Coverage unterschieden: In der Zone Coverage erhält ein Spieler eine bestimmte Zone, die er verteidigen muss. Läuft ein Receiver durch seine Zone, übernimmt der dort spielende Defender i. d. R. diesen Receiver. Dabei gibt es zwei Ansätze: Entweder, der Defender wird zu einem Man Defender und bleibt bis zum Ende des Spielzugs an diesem Receiver dran oder es wird festgelegt, an welchem Punkt der Pursuit endet und der Gegenspieler übergeben wird. In der Man Coverage wird einem Defender von vornherein ein Receiver zugeteilt. Auch hier kann es Anpassungen geben; bspw. kann festgelegt werden, dass ein Receiver, der durch Motion seine Aufstellung verändert, von einem anderen Defender als ursprünglich gedeckt wird. Dann rotiert die Defense ihre Zuteilung i. d. R. durch, sodass wieder jedem Receiver mindestens ein Defender zugeordnet ist. Hybrid-Coverages sind auch möglich: ein Teil der Defense spielt Zone-, der andere Man-Coverage.

    Bevor ich auf die verschiedenen Coverage Konzepte eingehe, soll vorweg die von mir verwendete Nomenklatur geklärt werden. Es gibt einige Standardbezeichnungen, aber viele Sachen werden (auch in der NFL) von Team zu Team anders bezeichnet. Eine Defense kann also an anderer Ort und Stelle anders bezeichnet als ich es mache, aber ich werde vorwiegend Standardbezeichnungen benutzen.

    Zuerst werden die Positionsbezeichnungen festgelegt, beginnend in der Offense:

    Q Quarterback
    F Fullback
    H Halfback
    Y Je nach Formation:

    Tight End (Formation ohne Slot Receiver)
    oder
    Slot Receiver
    T Tight End (Formation mit Slot Receiver)
    A & B Inside Receiver (Formationen mit mindestens 3 Wide Receivern auf einer Seite)
    X Split End; #1 Receiver der Offense. Häufig alleine auf einer Seite aufgestellt. Muss auf Höhe der LoS stehen, damit die Formation legal ist)
    Z Flanker; äußerster Receiver auf der dem X-Receiver gegenüberliegenden Seite

    In der Defense:

    DT Defensive Tackle
    NT Nose Tackle (3-4)
    N Nose Tackle / Nose Guard (4-3)
    DE Defensive End
    M Middle Linebacker ("Mike")
    S Strongside Linebacker ("Sam")
    W Weakside Linebacker ("Will")
    CB Cornerback
    NB Nickelback
    DB Dimeback
    FS Free Safety
    SS Strong Safety

    Das Feld wird auf der Defense-Seite in verschiedene Zonen eingeteilt:
    Zoneneinteilung

    Da es deutlich mehr Zonen als Defender gibt, werden einem Defender häufig mehrere Zonen zusammengefasst zugewiesen. Dies wird dann bspw. als „Hook/Curl“ oder „Flat/Curl“ bezeichnet.

    Weitere wichtige Bezeichnungen, die sich wiederholen:

    Subpackage Von der Base Defense (4-3 / 3-4) abweichendes Personal:
    - Nickeldefense (ein zusätzlicher Defensive Back für einen Linebacker oder Lineman; dieser wird „Nickelback“ (NB) genannt.
    - Dimedefense (zwei zusätzliche Defensive Backs für zwei Linemen oder Linebacker; der NB + „Dimeback“ (DB).
    - Quartersdefense (drei zusätzliche Defensive Backs); nicht zu verwechseln mit einem Synonym für Cover 4 (Quarters Coverage).
    Leverage Hier die Aufstellung der Defender gegenüber dem Receiver:
    - Outside Leverage: Der Defender stellt sich an der Außenschulter des Receivers auf, um diesem den Outside Release zu erschweren.
    - Inside Leverage: Der Defender stellt sich an der Innenschulter des Receivers auf, um ihn zu einem Outside Release zu zwingen.
    Cushion Der anfängliche Abstand zwischen Defender und Receiver. Wird grob unterteilt in:
    - Off Coverage: Der Defender stellt sich relativ weit vom Receiver (i. d. R. ca. 7-8 Yards) entfernt auf.
    - Press Coverage: Der Defender stellt sich nah vor dem Receiver auf, um seinen Release durch sog. „bumpen“ zu stören oder ihn dadurch zu „rerouten“ (zu einer für die Defense günstigen Richtung lenken).
    Jam & Sink Wird in Zone Defenses angewandt. Der Defender stellt sich in Press Coverage auf, „jamt“ bzw. „bumpt“ den Receiver und lässt sich danach in seine Zone fallen bzw. sinken.
    Flat-Foot Read Verteidigungstechnik in Off Coverage: Bevor der Defender anfängt, rückwärts zu laufen, wartet er ab, ob sein Receiver eine Quick Route läuft. Erst, wenn sicher ist, dass keine Quick Route kommt, fängt er an, rückwärts zu laufen.

    Jetzt zu den drei gängigsten Man Coverage Schemes:

    Cover 0

    Cover 0 in der 4-3 Base Defense
    Cover 0 in der 4-2 Nickel Defense

    Cover 0 ist eines der aggressivsten Schemes im Defensive Playbook. Jedem Receiver wird ein Defender zugeteilt, wer keinen Receiver zugeordnet hat, blitzt den Quarterback. Die Zuordnung ist dabei von Spielzug zu Spielzug unterschiedlich; im Beispiel hat der FS den Halfback, genauso gut kann bspw. der FS seine Zuteilung aber mit dem Will tauschen. Hauptsache ist, dass jeder Receiver durch einen Defender gedeckt ist. Defender, die Tight Ends oder Runningbacks decken, müssen auf diese reagieren; bleiben diese in der Pass Protection, sind die Defender für den Pass Rush zuständig.

    Die Idee hinter Cover 0 ist, dass man mehr Pass Rusher bringt als die Offense an Blockern hat. Dadurch lässt sich der QB sehr schnell und effizient unter Druck setzen. Der Nachteil an Cover 0 ist, dass es extrem risikoreich ist. Schlägt ein Receiver seinen Gegenspieler, hat dieser keine Hilfe von einem Safety, was meistens in einem extrem großen Raumgewinn endet. Um Cover 0 effektiv spielen zu können, braucht man also Defensive Backs, die extrem stark in der Man Coverage sind und ihren Receiver zumindest so lange decken können, bis der Pass Rush beim QB ankommt. Auf der anderen Seite lässt sich durch diese Defense zu einem gewissen Grad ein eher schlechter Pass Rush kompensieren, da man schematisch immer einen ungeblockten Pass Rusher hat.

    Effektive Spielzüge gegen Cover 0 sind entweder Hot Routes oder Side Adjusts gegen die Seite des freien Pass Rushers oder Max Protection mit Routen, die das Fehlen der Safeties in den tiefen Zonen ausnutzen, also z. B. Deep Posts oder Go Routes. In der Pass Protection ist darauf zu achten, dass der freie Pass Rusher derjenige mit dem weitesten Weg zum Quarterback ist.


    Cover 1

    Das Cover 1 ist ein Man Coverage Konzept, bei dem ein Spieler die tiefen Zonen abdeckt, während der Rest der Defense Man Coverage spielt. Prinzipiell gibt es zwei Varianten des Cover 1: Zum Einen Cover 1 Man Free und und zum Anderen Cover 1 Underneath Zone. Diese unterscheiden sich darin, dass standardmäßig ein Spieler ohne ihm zugeordneten Receiver und ohne Pass Rush Responsibility ist. Im Cover 1 Underneath Zone hat dieser Spieler die Aufgabe, die Underneath Zone (Hook/Delay Zones) zu decken. Im Cover 1 Man Free nimmt der freie Mann entweder einen besonders gefährlichen Receiver in Double Coverage oder blitzt als zusätzlicher Pass Rusher den Quarterback.
    Das Cover 1 kann natürlich aus allen Subpackages gespielt werden. Häufig ändert man dann die Bezeichnung in Cover 11 (Nickelformation) oder Cover 111 (Dimeformation); dies gilt für alle Coverages (Cover 11, Cover 22 etc.). Je nach Aufgabe des Free Man ändert sich der Gesamtname des Schemes. Für die Beispiele verwende ich Standardnamen basierend darauf, wer der Free Man ist und welche Aufgabe er hat.
    Was die Aufstellung der CBs angeht, so sollten sie überwiegend Outside Leverage spielen, da ihre Safety-Hilfe in der Mitte des Feldes ist. Es ist sowohl Press- als auch Off-Coverage möglich.

    Zunächst geht es um Cover 1 Man Free:

    Cover 1 Man Free (ohne Zuteilungen) in der 4-3 Base Defense
    Cover 11 Man Free

    Die einzige Zone im Cover 1 Man Free ist die tiefe Zone. Ein Spieler, i. d. R. der FS (je nach Matchup, Vorlieben des Defensive Coordinator etc. kann es aber auch jeder andere Spieler der Defense sein). Darauf basierend wird jedem anderen Spieler ein Gegenspieler zugeordnet. Der Defensive Line ist für den Pass Rush zuständig. Am Ende bleibt ein Gegenspieler frei; im folgenden Beispiel ist das im Cover 1 Man Free der 4-3 Base Defense der Sam:

    Cover 1 Sam Free

    Die Zuordnung des Sam erfolgt jetzt je nach Situation und Personal. Hat die gegnerische Offense bspw. einen extrem gefährlichen Tight End, kann der Sam den SS unterstützen und den TE in Double Coverage nehmen:

    Cover 1 Sam Y Bracket

    Alternativ kann der Sam den Quarterback blitzen und den Pass Rush unterstützen:

    Cover 1 Dog Blitz

    Dieselben Prinzipien gelten natürlich für alle Subpackages. Die Zuordnung dabei ist egal, das wichtige ist, dass das Grundprinzip (eine tiefe Zone, jeder Receiver hat einen Gegenspieler) erhalten bleibt.


    Nun zur Cover 1 Underneath Zone:

    Cover 1 Underneath Zone
    Cover 11 Underneath Zone

    Auch hier ist es prinzipiell egal, wer die Zonen spielt, hauptsache, sie werden überhaupt gespielt. I. d. R. wird die tiefe Zone aber von einem der beiden Safeties gespielt und die Underneath Zone entweder vom anderen Safety oder von einem Linebacker:

    Cover 11 Robber
    Cover 11 Lurk Die Safeties rotieren ihre Responsibilities.
    Cover 11 Thief

    Die genaue Bezeichnung der Defense richtet sich nach dem Spieler, der die Underneath Zone verteidigt. Gängig sind folgende Bezeichnungen:

    Robber, wenn es der SS ist,
    Lurk(er), wenn es der FS ist,
    Thief, wenn es einer der LB ist.

    Cover 1 ist ebenfalls eine sehr aggressive Defense, die aber über eine Absicherung gegen tiefe Pässe bietet. Von dieser wird allerdings verlangt, die gesamte Breite des Spielfelds gegen mögliche tiefe Routen abzusichern. Es ist also sehr wichtig, einen Safety zu haben, der durch seine Athletik und seine Übersicht eine sehr große Range hat. Wird er von zwei tiefen Routen attackiert, ergibt sich für die Offense also ein auf jeden Fall ein 1-on-1 Matchup, das attackiert werden kann. Rub Concepts wie das Mesh Concept können gegen ein Cover 1 auch erfolgversprechend sein, hier ist jedoch auf den Underneath Play zu achten, da dieser jede Inside Route aus seiner Position recht einfach jumpen kann. Corner- oder Out-Routes sind ebenfalls stark gegen das Cover 1, da sie vom Safety weg führen. Comeback- und Curl-Routes für mittleren Raumgewinn sind aus dem Cover 1 heraus ebenfalls schwer zu verteidigen.
    Starke Man Coverage Cornerbacks sind für den Erfolg des Cover 1 dementsprechend extrem wichtig. Der Pass Rush ist weniger stark als beim Cover 0, dafür ist das Cover 1 das flexibelste aller typischen Man Coverage Schemes.


    Cover 2 Man

    Die letzte der klassischen Man Defenses ist das Cover 2 Man. Wie der Name sagt, sind hier zwei tiefe Zonen besetzt. Dadurch fällt gegenüber dem Cover 1 der freie Spieler weg und die Defense wird unflexibler. Andererseits bietet das Cover 2 Man so mehr Schutz gegen tiefe Routen und Big Plays. Die Cornerbacks können es sich erlauben, durch die tiefe Absicherung auf beiden Seiten die sog. „Trail Technique“ zu spielen; dabei lässt der CB dem Receiver einen Schritt Vorsprung und folgt diesem in dem Abstand. Dadurch können kurze Routen wie z. B. schnelle Slants oder auch Curl- und Comeback-Routes leichter verteidigt werden. Wichtig ist die Kommunikation mit dem Safety, dessen Timing bei der Unterstützung essenziell ist.
    Die tiefen Zonen werden fast ausschließlich von den beiden Safeties gespielt. Im Cover 2 Man ist die tiefe Mitte im Gegensatz zum Cover 1 offen, da die beiden Safeties jeweils eine tiefe Seite spielen. Dadurch spielen die CBs im Cover 2 Man eher Inside Leverage, um die Receiver zu einem Outside Release zu zwingen und so ihre Routen in Richtung der Safety-Hilfe zu lenken. Auch hier ist je nach Situation Press- und Off-Coverage möglich.


    Cover 2 Man in der 3-4 Base Defense

    Cover 22 Man in der 3-3 Nickel Defense

    Cover 2 Man ist weniger aggressiv als Cover 1 / Cover 0 und ist eher darauf fokussiert, das vertikale Passing Game des Gegners wegzunehmen und diesen über kurze und mittlere Pässe herauszufordern. Durch die Inside Leverage der CBs können bei aggressiver Coverage schnelle In-Routes oder Slants abgeschwächt oder ganz weggenommen werden. Schnelle Outs, Swing Passes auf Runningbacks oder Pässe in die Flats können sichere Optionen sein, ein paar Yards gutzumachen. Anfällig ist Cover 2 Man außerdem, wenn die tiefe Mitte bspw. durch Seam Routes oder Four Verticals attackiert wird, gerade, wenn der SS ein Matchup-Nachteil gegen den Tight End hat.
    Geändert von Stiff Little Finger (10.01.2020 um 17:32 Uhr)

  7. #7

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    588
    Ne Menge Input...... Aber trotzdem Danke!

  8. #8

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    2.414
    sehr geil

    würde mich (falls das thema im worum noch nicht totdiskutiert wurde) über eine einschätzung von dir und gerne auch anderen zum thema überschätzung bzw. austauschbarkeit und (zu hoch dotierte?) verträge von runningbacks freuen.

  9. #9

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    10.994
    Mir ist da mittlerweile sehr viel von bekannt, zu einem großen Teil dank des Dokuments, daher sage ich auch noch mal Danke.

  10. #10
    Stiff Little Finger
    Gast
    Zitat Zitat von problemulf Beitrag anzeigen
    sehr geil

    würde mich (falls das thema im worum noch nicht totdiskutiert wurde) über eine einschätzung von dir und gerne auch anderen zum thema überschätzung bzw. austauschbarkeit und (zu hoch dotierte?) verträge von runningbacks freuen.
    Schwierige Frage. Runningback ist eine Position, die mit am extremsten von den Mitspielern abhängig ist. Das Laufspiel fängt in der O-Line an - deshalb wäre das der erste Mannschaftsteil in den ich investieren würde, wenn ich ein Run First Team bauen würde. Hinter einer starken O-Line sieht jeder NFL Runningback gut aus und liefert ab. Danach würde ich mir die Defense anschauen: ein starkes Laufspiel bringt dir recht wenig, wenn du permanent einem Rückstand hinterherlaufen musst. Frühestens dann würde ich überlegen, ob ich Geld für einen Runningback in die Hand nehme. Spieler wie Zeke oder Saquon können dann absolute Gamechanger sein und dem Team das entscheidende Quäntchen Explosivität geben.

    TL;DR: Will ich ein Run First Team aufbauen, baue ich erst das Gerüst dafür fertig, bevor ich Geld in einen Runningback stecke imo.

  11. #11

    Registriert seit
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    3.195
    Würde mich auch interessieren, wie du zu den mittlerweile aus dem Boden sprießenden Theorien stehst, dass das Laufspiel irrelevant sei?

    Vielen Dank für das input!
    Return of the Schisser Sisters (property of Charles Logan)

  12. #12
    Stiff Little Finger
    Gast
    Zitat Zitat von ThunderJunky Beitrag anzeigen
    Würde mich auch interessieren, wie du zu den mittlerweile aus dem Boden sprießenden Theorien stehst, dass das Laufspiel irrelevant sei?

    Vielen Dank für das input!
    Sehe ich ehrlich gesagt genau andersrum... in den letzten Jahren gab es ja teilweise historische Saisons, was das Passing angeht. Als Reaktion darauf wurden Defenses immer leichter (teilweise haben Linebacker die Statur eines Safeties), um mit den Offenses mithalten zu können. Das öffnet dann wiederum wieder das Laufspiel, da leichtere Spieler eben auch einfacher zu blocken sind. Ist kein Zufall, dass dieses Jahr die Ravens den Rushing Rekord gebrochen haben. Ich denke, wir befinden uns gerade wieder in einer Phase, in der die NFL wieder Richtung Laufspiel shiftet
    Geändert von Stiff Little Finger (12.01.2020 um 00:25 Uhr)

  13. #13

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    Seh ich genauso und die bisherigen Playoffs bestätigen das mMn. Es gibt zwar Analysen, die auf reiner Zahlenbasuis die Effektivität des Laufspiels abwerten, aber eben nur auf Zahlenbasis.
    Return of the Schisser Sisters (property of Charles Logan)

  14. #14
    Avatar von Die Nase
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    Ich hätte mal ne schnelle Regelfrage. Die Teams haben ja 2 rote challenge Flaggen. Gilt eine immer als genommen auch wenn die challenge erfolgreich war?
    If you're going through hell, keep going.
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    Ironie lässt sich am besten durch 15 jährige Mütter definieren, die Schutzhüllen für ihre iPhones haben.

  15. #15

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    Wenn beide erfolgreich waren, bekommt man ein 3. mal die Möglichkeit zu challengen.

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