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Thema: American Football - Taktiken, Schemes, Fragen etc.

  1. #31

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    Zitat Zitat von Stiff Little Finger Beitrag anzeigen
    bspw. warum die Seahawks den Ball im SB49 nicht gelaufen sind und warum das der richtige Call war
    dazu würde ich gerne mal wieder was lesen

  2. #32
    Avatar von Fullcollapsed
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    Obwohl man dazu am besten eigentlich immer die Seahawks-Fans befragen sollte, warum sie nicht Lynch haben laufen lassen.

    E: Und anschließend kann man sie dann belehren, warum das Pass-Play doch das richtige war.
    Geändert von Fullcollapsed (09.02.2021 um 16:01 Uhr)
    Wieder alles im Griff auf dem sinkenden Schiff!

  3. #33
    Stiff Little Finger
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    Zitat Zitat von werder_rulez Beitrag anzeigen
    Stiff, schreib dir die Finger wund - alles ist interessant.
    Ich würde ja cool finden, wenn du zu jedem Team/Coach eine kleine Einordnung zu den am häufigsten/beliebtesten Schemes machen könntest.
    Das wären dann aber wirklich nur kurze Abrisse, aber ist notiert. Allerdings ist nicht jeder Coach es unbedingt wert, was zu ihm zu schreiben.

    Zitat Zitat von Die Nase Beitrag anzeigen
    Keine Ahnung ob es machbar ist aber was auch cool wäre wenn du eine Einschätzung zu den neuen HC/OC/DC der Liga geben könntest. Also was sich evtl unter den neuen Trainern gerade in den Grundausrichtungen ändern könnte (hier favorisiere ich natürlich eine Einschätzung zu den Eagles )Ansonsten schließe ich mich meinen Vorschreibern an. Schreib worauf du Bock hast ich finde es auch immer interessant.
    Ist notiert. wenn du mir Super Bowl 52 zurück gibst

  4. #34

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    Zitat Zitat von Fullcollapsed Beitrag anzeigen
    Obwohl man dazu am besten eigentlich immer die Seahawks-Fans befragen sollte, warum sie nicht Lynch haben laufen lassen.

    E: Und anschließend kann man sie dann belehren, warum das Pass-Play doch das richtige war.
    Es gibt dazu in der deutschen Fanszene der Seahawks gute Analysen, warum der Call gut war. Daher wird das mit dem belehren nix
    Return of the Schisser Sisters (property of Charles Logan)

  5. #35
    Avatar von Die Nase
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    Zitat Zitat von Stiff Little Finger Beitrag anzeigen
    Zitat Zitat von werder_rulez Beitrag anzeigen
    Stiff, schreib dir die Finger wund - alles ist interessant.
    Ich würde ja cool finden, wenn du zu jedem Team/Coach eine kleine Einordnung zu den am häufigsten/beliebtesten Schemes machen könntest.
    Das wären dann aber wirklich nur kurze Abrisse, aber ist notiert. Allerdings ist nicht jeder Coach es unbedingt wert, was zu ihm zu schreiben.

    Zitat Zitat von Die Nase Beitrag anzeigen
    Keine Ahnung ob es machbar ist aber was auch cool wäre wenn du eine Einschätzung zu den neuen HC/OC/DC der Liga geben könntest. Also was sich evtl unter den neuen Trainern gerade in den Grundausrichtungen ändern könnte (hier favorisiere ich natürlich eine Einschätzung zu den Eagles )Ansonsten schließe ich mich meinen Vorschreibern an. Schreib worauf du Bock hast ich finde es auch immer interessant.
    Ist notiert. wenn du mir Super Bowl 52 zurück gibst
    Ihr habt schon genug Ringe gönn uns doch den einen Ring, das wird für längere Zeit der letzte gewesen sein
    If you're going through hell, keep going.
    Winston Churchill

    Ironie lässt sich am besten durch 15 jährige Mütter definieren, die Schutzhüllen für ihre iPhones haben.

  6. #36
    Avatar von Schmolle
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    Zumal der Ring für den
    L II von uns nicht irgendwie geklaut, sondern ehrlich erworben war.

    Wg. Bienemy
    Glaube das seine Aktien auf einen HC Job geschwunden sind.

    Wg Sirianni ( neuer HC eagles)
    Bin gespannt, ob er nicht zu früh den Job genommen hat. Nicht daß er wie Patricia vergeigt. Die Konstellation ist ähnlich bescheiden: alte Säcke plus 2 QB und der Verlust einer punktemaschine namens ertz.

  7. #37
    Avatar von werder_rulez
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    Zitat Zitat von Stiff Little Finger Beitrag anzeigen
    Zitat Zitat von werder_rulez Beitrag anzeigen
    Stiff, schreib dir die Finger wund - alles ist interessant.
    Ich würde ja cool finden, wenn du zu jedem Team/Coach eine kleine Einordnung zu den am häufigsten/beliebtesten Schemes machen könntest.
    Das wären dann aber wirklich nur kurze Abrisse, aber ist notiert. Allerdings ist nicht jeder Coach es unbedingt wert, was zu ihm zu schreiben.
    Hast wohl recht, zu jedem Coach/Team war vielleicht zu ambitioniert gedacht - wollte halt niemanden diskriminieren

    Vielleicht einfacher - so Beispiele, die schon länger dabei sind und schon mit Franchises assoziiert werden können.
    Caroll
    Belichick
    Arians
    Tomlin
    Pagano
    Harbaugh
    McDermott
    McCarthy
    Fangio
    LaFleur
    McVay
    Reich
    Reid
    Gruden
    Payton
    Shanahan

    Oder, wenn du dazu mehr insights hast, die Mentalität eines Coaches.
    Man hörte so Schlagworte
    Defense Coach Belichick
    Oder Reid und Arians - eher ein offensiver/aggressiver Coach
    Oder MyVay und Shannahan die Laptop Trainer.
    Was zeichnet diese Begriffe, Trainer aus.

  8. #38
    Stiff Little Finger
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    Match Coverage


    Nachdem ich bereits über die gängigsten Zone- und Man-Defenses geschrieben habe, fehlt im Prinzip noch die Match Coverage. Doch was ist eine Match Coverage? Eine bestimmte Zone Coverage? Im Prinzip schon. Eine Variante von Man Coverage? Auch das im Prinzip…

    Um zu verstehen, warum es ein Konzept gibt, das im Prinzip sowohl Man- als auch Zone-Coverage ist und was genau sich dahinter verbirgt, muss man bis zu den Cleveland Browns der 90er Jahre zurückgehen. Head Coach war ein gewisser Bill Belichick, Defensive Coordinator ein gewisser Nick Saban. 1994 beendeten die Browns die Regular Season mit 11-5, gewannen in den Playoffs gegen die Patriots und verloren dann in der Divisional Round gegen die Steelers. Und genau diese Steelers waren ein Problem für die Browns: bereits in der Regular Season gab es zwei Niederlagen gegen sie. Die Steelers hatten in dieser Zeit ein starkes Laufspiel gepaart mit schnellen Receivern, die Browns auf der anderen Seite weder eine dominante Run Defense noch die Cornerbacks, die dauerhaft im Eins gegen Eins mit den Receivern der Steelers mithalten konnten. Das Grundproblem war folgendes:

    Spielten die Browns mit zwei tiefen Safeties, hatten sie in der Box sieben Spieler. Diese sieben Spieler hatten es im Laufspiel mit sieben Blockern zu tun und wurden dominiert. Stellten die Browns auf einen Single High Safety um (Cover 1 / Cover 3) und stellten den Strong Safety in die Box, um dort Überzahl zu schaffen, liefen die Steelers Four Verticals, also vier tiefe Routen. Da der Strong Safety aber im Cover 1 / 3 keine tiefe Zone spielt, musste drei Defensive Backs vier tiefe Routen abdecken – wieder ein Mismatch. Belichick und Saban mussten sich also etwas einfallen lassen, um sowohl das Laufspiel als auch Four Verticals zu stoppen. Und so entwickelten sie das „Cover 3 Rip/Liz“ und daraus „Cover 3 Mable“.

    Four Verticals gegen "normales" Cover 3

    Die Idee ist, den Spielern flexible Verantwortungen zu geben, die sich aus den Routen der Wide Receiver ableiten: Grundlegend spielt die Defense Cover 3, das bei bestimmten Routenkombinationen (wie bspw. Four Verticals) aber ganz oder teilweise zu einem Cover 1 (Man Coverage) wird. Da die Defense vor dem Snap die Routen aber natürlich nicht weiß, muss der entsprechende Read NACH dem Snap erfolgen: Im Cover 3 ist der Nickelback beim Slot Receiver aufgestellt und spielt von dort aus die Flat Zone. Bevor er diese im Rip/Liz aber spielt, wartet er den Release des Slot Receivers ab: bei einem vertikalen Release wird aus der Flat Coverage für den Nickelback eine Man Coverage gegen den Slot Receiver. Gleiches gilt für die beiden Outside Corners: bei einem vertikalen Release des X- bzw. Z-Receiver, spielen sie nicht ihre tiefe Zone, sondern Man Coverage. Der Strong Safety liest den Tight End und spielt entweder normal Cover 3 (die Flat Zone) oder bei einem vertikalen Release Man Coverage. So kann es bspw. vorkommen, dass die Offense auf der einen Seite zwei 9-Routes (Go-Routes) läuft, auf der anderen aber zwei kurze Routen. Dann spielt die Defense entsprechend auf der einen Seite (mit den 9-Routes) Cover 1, auf der anderen ganz normal Cover 3.

    Match Coverage gegen zwei 9s auf der Weak Side und zwei Outs auf der Strong Side. Da der Nickel (N) von der Flat Zone Coverage in die Man Coverage wechselt, übernimmt der Will (W) diese Zone. Der Weak Side Corner (C) spielt Man Coverage gegen X, da er den vertikalen Release liest. So spielt die Defense auf der Weak Side Man Coverage, auf der Strong Side normales Cover 3

    Um Mismatches bei bestimmten Routenkombinationen zu vermeiden, wird häufig ein „Cover 3 Rip/Liz Robber“ gespielt, das bedeutet, dass der Free Safety für bestimmte Aufstellungen (wenn die Offense bspw. einen Receiver ins Backfield stellt oder dort einen Back mit Receiver-Qualitäten (bspw. Le’Veon Bell, James White) hat) seine Verantwortlichkeiten mit dem Middle Linebacker tauscht, um zu verhindern, dass dieser Eins zu Eins gegen einen Receiver spielen muss.

    Das funktioniert perfekt gegen 2x2 Aufstellungen (je zwei Receiver auf der Strong- und Weak-Side). Für 3x1 Aufstellungen haben Saban und Belichick dann Rip/Liz mit dem „Mable“ Call ergänzt: auf der Single Receiver Side wird Man Coverage (daher der Name: Mable / Man) gespielt, auf der anderen Seite Cover 3.

    Cover 3 Mable

    Cover 3 Rip/Liz hat heutzutage mehr oder weniger jede Defense in der NFL als situative Defense im Repertoire. Neue Popularität gewann diese Defense durch die Legion of Boom, die im Grunde genommen Cover 3 als Base Defense spielten und den Rip/Liz Call als Absicherung gegen Four Verticals spielten (quasi wie die Browns unter Belichick/Saban nur mit deutlich mehr Talent), daher wird sie heute auch gerne als „Seattle Defense“ bezeichnet. Was ich relativ interessant finde, ist, dass diese Art von Defense zwar einerseits extrem dominant sein kann, allerdings gegen Offenses, die sie permanent attackieren, auch extrem ermüdend sein kann. Die besten Beispiele dafür sind die Super Bowls 49, 51 und 54: Im SB49 holten die Patriots im vierten Viertel gegen die LoB einen 10 Punkte Rückstand auf, um das Spiel am Ende zu gewinnen. Im Super Bowl 51 waren es 25 Punkte, die von den Falcons verspielt wurden: Headcoach Dan Quinn war zuvor Defensive Coordinator bei den Seahawks und hat genau dieses System in Atlanta installiert. Im dritten und vierten Viertel war die Defense komplett ausgelaugt und konnte nicht mehr mithalten. Im SB54 verspielten die 49ers einen 10 Punkte Rückstand gegen die Chiefs. Defensive Coordinator Robert Saleh hat ebenfalls einen Seahawks Hintergrund und auch er installierte diese Defense in San Francisco. Auch hier wurde die Defense im Laufe der Zeit müde und konnte am Ende nicht mehr mit den Chiefs mithalten. Das beste Beispiel dafür ist der mittlerweile sehr bekannte Spielzug 2-3 Jet Chip Wasp (kommt wahrscheinlich hier als nächstes).

  9. #39
    Avatar von Eisbaerchen
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    Danke Stiff, alles was Du für uns von Deinem Wissen preis gibst, hilft mir mehr und mehr das Spiel besser zu verstehen.

    und für die Arbeit, die Du Dir machst.
    Werder ist eine Herzensangelegenheit und kein Kleidungsstück, dass man ablegt, wenn es einem nicht mehr passt!
    (Clemens Fritz)

  10. #40
    Stiff Little Finger
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    Zitat Zitat von werder_rulez Beitrag anzeigen
    ...
    Wird dann eher ein kurzer Abriss, welche Schemes und/oder offensive Systeme die Coaches präferieren (und warum), aber klar, kann ich gerne machen.

    Zitat Zitat von Eisbaerchen Beitrag anzeigen
    ...


    Dann noch zu dem gestern bereits angesprochenen 2-3 Jet Chip Wasp:

    2-3 Jet Chip Wasp

    „Do we have time to run Wasp?“ diese Frage stellte Mahomes im Super Bowl 54 an der Seitenlinie seinem Offensive Coordinator Eric Bieniemy. Was folgte, war mit „2-3 Jet Chip Wasp“ eines der mittlerweile bekanntesten Plays der Super Bowl Geschichte. Neben seiner absurd guten Ausführung ist dieses Play auch Paradebeispiel für zwei weitere Dinge: Wie in der Regular Season der Grundstein für Playoff-Erfolg gelegt wird und wie man die vorher angesprochene Match Coverage bzw. eine Variante davon mit ihren eigenen Waffen schlägt.

    Zunächst aber erstmal der Spielzug:
    2-3 Jet Chip Wasp

    Jetzt zum Namen: Dieser ist in diesem Fall sehr simpel aufgebaut:
    2-3 Jet Chip ist die Aufstellung mit den Blocking Assignments. „Chip“ als Zusatz bedeutet, dass sowohl Runningback als auch Tight End vor ihrem Release die Defensive Ends anblocken sollen (der Runningback verpasst das in diesem Fall). Die Chiefs spielen hier 11 Personnel (1 Runningback, 1 Tight End) mit einer 3x1 Formation (3 Receiver auf der einen, 1 Receiver auf der anderen Seite).
    Wie man sieht, laufen die Receiver extrem tiefe Routen, für die sie erstmal eine gewisse Zeit benötigen. Mahomes‘ Frage „Do we have time (…)?“ bezieht sich genau darauf: Der Pass Rush der 49ers war berüchtigt dafür, Quarterbacks diese Zeit eben nicht zu geben. Doch bedingt durch das intensive System der 49ers (wie bei der Match Coverage schon angesprochen) war eben jener Pass Rush schon langsam etwas müde und nicht mehr bei 100%. Und dann kamen die Chiefs in die Situation, dieses Play laufen zu müssen: ein spielentscheidendes 3rd & 15 bei dem die Chiefs unbedingt ein 1st Down brauchen.

    Wie bereits angesprochen kommt jetzt die Regular Season zum Tragen. Bei ähnlichen Down & Distance Situationen haben die Chiefs diese Aufstellung regelmäßig aus ihrem Playbook rausgeholt. Und jedes Mal (bis auf ein Mal gegen die Patriots, da spielten sie einen ähnlichen Spielzug wie 2-3 Jet Chip Wasp) haben sie eine Variation des Flood Concepts damit gespielt:

    Von den Chiefs in der Regular Season gespieltes Flood Concept

    Im Flood Concept wird eine bestimmte einer Seite mit mehreren Receivern in verschiedenen Tiefen „geflutet“ (daher der Name). Beliebtestes und gefährlichstes Ziel in diesen Situationen war Tyreek Hill mit einer Post Route.

    Genau das hat Robert Saleh natürlich auf dem Schirm. Jedes NFL Team beschäftigt eine Armee von Scouts, die von jedem Team für jede Situation jede Aufstellung und jeden daraus resultierenden Spielzug akribisch festhalten. Und in diesem Scouting Report steht für die Chiefs drin, dass bei langen 3rd Downs und einer Trips Aufstellung (3 Receiver auf einer Seite) praktisch immer ein Flood Concept gespielt wird. Nun ist Robert Saleh natürlich kein dummer Mensch. Verlagert er seine Defense auf die Backside der Offense (da, wo die Receiver die Defense „fluten“ wollen), ist sie natürlich anfällig für vertikale Route, die die Frontside der Defense attackieren. Daher ist sein Play Call eine Variante des Cover 3 Rip/Liz: Moseley, der Cornerback auf der Front Side, hat in dieser Defense folgende Aufgaben:

    1. Grundlegend spielt er die tiefe Zone in seinem Drittel.
    2. Dafür liest er den Release des Y- und des H-Receivers: deuten diese eine vertikale Route oder eine Corner Route an, lässt er sich in seine Zone fallen und verteidigt dort die Receiver.
    3. Ist dies nicht der Fall lässt er sich etwas absinken und beobachtet den Z-Receiver während er weiterhin ein Auge auf Y & H hat, um sich gegen Double Moves abzusichern.
    4. Wenn keine Gefahr durch Y & H besteht, spielt er Man Coverage gegen Z.

    Der Plan der 49ers gegen das Flood Konzept der Chiefs. Sind vielleicht ein bisschen viele Linien und Kreise, aber das wichtigste ist folgendes: Anstatt wie normalerweise üblich Cover 3 Mable (dann würde der Corner auf der rechten Seite den Y-Receiver in Man Coverage nehmen), spielen sie auf beiden Seiten Zone Coverage. Der rechte Corner würde sonst von Y in die Flats gelockt werden und seine Zone für das Flood öffnen. Rot eingekreist ist der Corner, der von Reid attackiert wird. Seine Reads sind (1) X und H, sobald er sieht, dass diese in-breaking Routes laufen, nimmt er mit seinem zweiten (2) Read den Z in Man Coverage

    Und genau diese Regeln greift Andy Reid an. Da die Chiefs das ganze Jahr über in dieser Situation mit dieser Formation Flood gespielt haben, entscheidet sich Moseley (wie es seine Aufgabe ist!) nachdem er sieht, dass Hill (in diesem Fall der Y-Receiver) eine tiefe Post Route (wie immer!) läuft, dafür, den Z-Receiver in Man Coverage zu nehmen. Der Safety sieht das und übernimmt (wie es seine Aufgabe ist!) Hill. Um dessen absurde Geschwindigkeit in den Griff zu bekommen, dreht er relativ früh seine Hüfte, um die Post-Route verteidigen zu können. Und genau jetzt schlagen die Chiefs zu. Der Frontside Cornerback wurde aus seiner Zone weggelockt (er hat alles korrekt und dem Scheme nach gespielt!), der Safety bewegt sich in Richtung Backside, um Hills Post Route abdecken zu können: Genau jetzt ist die tiefe Zone in der Frontside komplett ungedeckt. Und genau da bewegt Hill sich jetzt mit einer schnellen Richtungsänderung hin. Einen Move, den er ein ganzes Jahr lang nicht gezeigt hat. Diese Route ist auf keinem Gametape der Welt zu finden. Genau das hat Andy Reid bereits im Sommer vorher geplant. Natürlich wusste er nicht, dass er in den Super Bowl kommt, aber die Möglichkeit war da. Und um für diese Möglichkeit gewappnet zu sein und etwas aus dem Hut zaubern zu können, wenn er es muss, hat er den Scouts die ganze Regular Season das Flood Concept aus dieser Aufstellung gezeigt. Genau so etwas ist gemeint, wenn Kommentatoren etwas sagen wie „Coach X hat noch nicht sein ganzes Playbook gezeigt“ oder „Coach Y hat immer noch eine Überraschung auf Lager“.

    Eine Anmerkung noch: Die Chiefs sind so ziemlich das einzige Team der Liga, das diesen Spielzug so spielen kann. Mahomes wirft den Ball im Rückwärtslaufen 60 Yards quer übers Feld, er ist der einzige Quarterback der Liga, der das kann.

  11. #41
    Stiff Little Finger
    Gast
    Zum Thema Headcoaches würde ich mal kurz mit Bill Belichick anfangen, auch, um mal abzuchecken, ob das von der Länge her so okay ist (natürlich könnte man es deutlich ausführlicher schreiben, allerdings fehlt mir da so ein bisschen die Zeit zu, deshalb nur ein kurzer Abriss).

    Bill Belichick

    Belichick ist grundsätzlich ein defensiver Coach, der viel Wert auf gutes Special Teams Play legt. Einen Namen hat er sich zunächst als Defensive Coordinator der Giants gemacht, in dieser Rolle gewann er seine ersten beiden Super Bowl Ringe. Bei den Giants coachte er mit Lawrence Taylor den besten Linebacker aller Zeiten (und, so kommt es immer wieder rüber, auch seinen Lieblingsspieler). Sein Gameplan, mit dem er im Super Bowl 25 die K-Gun Offense der Bills schlug, ist heute in Canton ausgestellt.

    Grundlegend muss über Belichick gesagt werden, dass er nicht nur eine oder zwei verschiedene Defensive Schemes parat hat, sondern die Defense immer opportunistisch anpasst. Sieht man das große Ganze, lässt Belichick aber prinzipiell immer noch die gleiche Defense wie bei seinem ersten Head Coaching Job in Cleveland:
    Als grundlegende Defense lässt er vor allem viel Cover 1 spielen. Dies hat vor allem zwei Gründe: Dadurch, dass nur einer der beiden Safeties tief spielt, kann der andere (meistens der Strong Safety) als Unterstützung gegen das Laufspiel in die Box gestellt werden. Der zweite Grund ist, dass das Passspiel in der NFL sehr zentrumslastig ist. Pässe über die Mitte sind am einfachsten an den Receiver zu bringen. Es gibt grundlegend zwei (drei, wenn man Cover 0 dazu zählt) Defensive Shells, die gespielt werden: Single High Safety (Middle of the field closed, vor allem Cover 1 und Cover 3) oder Two High Safety (Middle oft he field open, vor allem Cover 2 und Cover 4). Belichick ist vor allem ein Verfechter von Single High Safety Coverages, da der Quarterback gezwungen ist, die schwierigeren Completions auf Out-Routes zu versuchen. Der Erfolg von Cover 1 als Base Defense ist allerdings stark vom Personal abhängig:

    Während in der NFL Pass Rusher die bestbezahlten Defender sind und auch mehr mediale Aufmerksamkeit bekommen als andere Positionen der Defense, spielen diese in Belichicks System nicht die größte Rolle. Druck wird vor allem durch Belichicks Amoeba Defense erzeugt: Anstatt sich auf „konservative“ Fronts zu verlassen (4-3, 3-4, 4-2, 3-3) setzt Belichick eine Vielzahl an Personalgruppen an der Line of Scrimmage ein: 1-5, 0-6, 2-3 etc. Diese Amoeba Defense war im Übrigen auch der Hauptgrund, warum die Rams im Super Bowl 53 nur 3 Punkte erzielten (aber der Gameplan ist es wert, dass ich da separat drüber schreibe). Worauf Belichick dagegen extrem viel wert legt sind Defensive Backs. Cover 1 ist eine Man Coverage Defense. Um effektiv Man Coverage spielen zu können, muss man sich sehr stark auf seine Cornerbacks verlassen können. Und genau hier setzt Belichick in seiner Personalplanung an: anstatt das Geld in Pass Rusher zu stecken (die zehn bestbezahlten Defender in der NFL sind D-Linemen / OLBs), wendet er die Ressourcen für dominante Cornerbacks wie bspw. Asante Samuel, Ty Law, Darrelle Revis, Stephon Gilmore auf. Letztlich geht es in der NFL eben auch darum seine Ressourcen (Cap Space) so effizient wie möglich auszuschöpfen.

    Zusammenfassend kann Belichicks Philosophie so beschreiben: er spielt ein Cover 1, in dem der in der NFL sonst sehr teure Pass Rush durch eine Vielzahl an Stunts und Personalgruppierungen gespielt wird, während i. d. R. die Ressourcen in eine tiefe Secondary gehen, um erfolgreich Man Coverage zu spielen.
    Eine kleine Anmerkung noch: Belichick nimmt auf das offensive Playcalling wenig Einfluss. Er gibt die grobe Richtung vor (die sehr antizyklisch ist: je passfreudiger die NFL wird, desto leichter und agiler werden die Defender und desto mehr setzen die Patriots auf’s Laufspiel). Die Verantwortung für die Offense liegt aber beim OC, das waren unter Belichick (in New England) Charlie Weis, Bill O’Brien, Josh McDaniels. Dementsprechend haben die Patriots unter Belichick auch fast jedes erdenkliche offensive System gespielt: von Smashmouth Offenses bis zu Spread Offenses.

    Diese beiden Sachen zeigen nebenbei bemerkt auch, wie unglaublich lächerlich diese Diskussion um Brady als System Quarterback, der nur durch Belichicks magisches System gut spielt, sind: weder hat Brady in New England nur ein System (im Gegenteil) gespielt, noch hat Belichick selber überhaupt irgendein offensives System, da er ein defensiver Coach ist.

  12. #42
    Avatar von KrisIbi
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    Mega Stiff

    Besten Dank für Deine Mühe und diesen Thread! Ist echt interessant und lesenswert da du das Fachlich echt gut erläuterst!
    VORSTAND RAUS!!!!!

    BAUMANN RAUS - GRUNEWALD RAUS - FILBRY RAUS - BODE RAUS

  13. #43
    Avatar von Wense
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    Zitat Zitat von KrisIbi Beitrag anzeigen
    Mega Stiff

    Besten Dank für Deine Mühe und diesen Thread! Ist echt interessant und lesenswert da du das Fachlich echt gut erläuterst!
    Sehr lesenswert, in der Tat! Danke.
    Bappsack (m/w/d)

  14. #44
    Avatar von Die Nase
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    Dem kann ich mich nur anschließen
    Das einzige worauf die Pats meiner Meinung nach schon immer drauf geachtet haben ist eine gute bis sehr gute O-Line wovon TB12 schon profitiert hat was ihn aber nicht zum SystemQB macht.
    If you're going through hell, keep going.
    Winston Churchill

    Ironie lässt sich am besten durch 15 jährige Mütter definieren, die Schutzhüllen für ihre iPhones haben.

  15. #45
    Stiff Little Finger
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    Run Blocking

    Auch, wenn seine Bedeutung in den letzten Jahren zugunsten des Passspiels abgenommen hat (vor allem aufgrund von Regeländerungen), ist das Laufspiel immer noch integraler Bestandteil einer jeden NFL Offense. Der wichtigste Bestandteil des Laufspiels ist das Run Blocking. Hier unterscheidet man grundsätzlich zwischen Man Blocking Schemes und Zone Blocking Schemes. Ersteres ist ein uraltes und sehr simples Konzept: Mit Ansage des Spielzugs bekommt jeder Blocker einen Gegenspieler zugeteilt, für den er verantwortlich ist. Der Vorteil ist, dass es wenig Koordination bedarf, um Man Blocking Schemes zu implementieren – vor allem junge Linemen profitieren davon, dass ihnen einfach gesagt wird, wen sie zu blocken haben und sie sich dann nur noch um genau diesen Gegenspieler kümmern müssen. Genau diese Simplizität haben Defenses aber irgendwann angefangen auszunutzen:

    So in etwa würde ein einfaches Man Blocking zur rechten Seite aussehen.
    Jeder Offensive Lineman hat einen Gegenspieler, für den er verantwortlich ist und dem er überall hin folgt. Genau da haben dann in den 1990er Jahren Defenses angesetzt, allen voran die der Denver Broncos: Die Defensive Line stellt sich direkt gegenüber den Offensive Linemen auf. Nach dem Snap slanten sie zur vorher im Playcall angesagten Seite und attackieren das dortige Gap. Als Beispiel nehmen wir hier einmal folgende Situation: Der offensive Playcall ist ein Lauf zur rechten Seite. Die Offensive Line hat hier den simplen Call, folgendes Man Blocking zu spielen: Der Right Tackle übernimmt den Defensive End, der Right Guard den Sam, der Center den Defensive Tackle usw.

    Jetzt kommt der sogenannte Slant Call in der Defense zum Tragen.
    In diesem Beispiel ist der Call „Slant Right“. Das heißt, dass nach dem Snap jeder Defensive Lineman das Gap zu seiner rechten Seite attackiert. Wenn man hier die rechte Seite betrachtet, hat das folgende Auswirkungen: der Defensive End attackiert das rechte B-Gap. Der Right Tackle, dessen Aufgabe es ist, den Defensive End zu blocken, muss sich wiederum auch nach rechts orientieren. Nun gibt es zwei Möglichkeiten:
    1. Er verpasst den Block und muss den Defensive End an den Guard übergeben, da der End ansonsten sofort im Backfield ist.
    2. Er blockt den End. Da dieser sich aber im B-Gap befindet, muss der Tackle den End horizontal in den Guard hineinblocken, der dadurch wiederum aus dem Spiel genommen ist.
    In beiden Fällen kann der Guard auf keinen Fall mehr den Sam blocken, der dadurch ohne Gegenspieler ist.

    Als Lösung für dieses Problem wurde das Zone Blocking Scheme entwickelt. Es gibt prinzipiell zwei Varianten: vertikales und horizontales Zone Blocking. Diese unterscheiden sich aber von den Blocking Verantwortlichkeiten nicht, sie haben nur einen anderen Point of Attack. Während vertikales Zone Blocking darauf abzielt, die Defensive Line schnell nach hinten zu drücken und zu dominieren, hat das horizontale Zone Blocking zum Ziel, dass die Defense sich nach links oder rechts bewegen muss. Zum einen erhofft man sich, dass die Defense zu langsam ist, um rechtzeitig am Point of Attack zu sein und zum anderen soll die Defense durch die ständigen horizontalen Wege ermüdet werden. In der NFL wird das horizontale Zone Blocking bspw. von niemandem so gut gespielt wie von den 49ers unter Kyle Shanahan, aber dazu später mehr.
    Grundlegend bekommt im Zone Blocking jeder Blocker eine Zone zugeteilt:
    https://imgur.com/a/jUjiwPp

    In dieser Zone hat er dann einen sogenannten „On-to-on“ Read: das heißt, dass er zuerst liest, ob sich in seiner Zone ein Defensive Lineman befindet. Falls ja, blockt er diesen, falls nicht, liest er das nächste Level der Defense, also die Linebacker. In der Praxis bedeutet dies, dass nach dem Snap zunächst alle Offensive Linemen einen Defensive Lineman blocken, dort also teilweise erstmal ein Double Team für einen initialen Push generieren. Danach löst sich ein Offensive Lineman, je nach Zone, und blockt im nächsten Level einen Linebacker:

    https://imgur.com/a/gzRogJm

    Der Vorteil ist, dass unabhängig vom defensiven Call sichergestellt ist, dass jemand geblockt wird. Hier das selbe Zone Blocking gegen einen anderen defensiven Call:

    Hier ist der Zone Right Call gegen ein Slant Right der Defense. Auf der rechten Seite sieht man bspw., dass das Gap des Right Guard attackiert wird. Dementsprechend löst sich diesmal nicht er, sondern der der Right Tackle vom Defensive End, um im nächsten Level den Sam zu blocken.
    Geändert von Stiff Little Finger (15.02.2021 um 11:51 Uhr)

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