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Thema: Allgemeine Nachrichten resp. Das Aktuelle Tagesgeschehen.

  1. #11296
    Avatar von WhiteHorse
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    Zitat Zitat von Totally On The Wood Way Beitrag anzeigen
    Zitat Zitat von WhiteHorse Beitrag anzeigen
    Am besten ist was für jeden Geschmack dabei. Das Problem ist nur: Nicht jeder Geschmack zieht an der Kasse. Deshalb entsteht auch ein Ungleichgewicht seitens der Produzierenden.

    Kultur ist in Deutschland allgemein ein schwieriges Thema. Alle schaffenden würden sich freuen, wenn es nicht so eine Scheu vor einheimischen Produktionen geben würde. Das sind alles Sachen, die beachtet werden müssen. Das ergibt grundsätzlich schon keinen großen Mark, und für Genrefilme außer Comedy ist das Pflaster hart. Dennoch entstehen Filme wie Oh Boy, Victoria oder Barbara, die auf jedenfalls sehenswert sind. Womit? Mit Fördergeldern. Fördergelder, die auch mit Schweiger-Filmen erwirtschaftet wurden. Es ist ein Kreislauf, in den auch erfolgreiche Produkte gehören, die du und ich vielleicht scheiße finden. Hat aber keine Relevanz.

    Film ist auch Unterhaltung. Unterhaltung ist vielseitig.
    Damit widersprichst du dir aber zumindest teilweise. Du hast ja damit argumentiert, dass "Kultur" gefördert werden müsste, auch wenn sie am Markt nicht besteht. Dann aber findest du es auch zumindest okay, wenn in erster Linie "Trash" gefördert wird, da so ab und so auch mal "Kultur" mit vom Laster fällt.
    Ich finde die Trennung zwischen beidem schon so schwer und vor allem wenig objektiv, dass ich es halt gerecht fände, wenn sich Kultur selbst finanzieren müsste. Was nicht am Markt besteht, ist halt letztlich nicht gewollt. Es gibt ja für diverse Dinge auch gar keinen Grund einer (bspw.) Spenden- oder Crowdfunding-Finanzierung, weil es ja nunmal die staatlichen Fördertöpfe gibt.

    Nur, wie gesagt, selbst wenn man das anders sieht und staatliche Kulturförderung, auch bei Film und Fernsehen, als grundsätzlich unerlässlich sieht, kann man doch den status quo derer hier in Deutschland nicht ernsthaft schön reden.

    Ich finde die von dir genannten Produktionen auch zum Teil gut, ich finde sogar die ein oder andere Eichinger-Produktion, welche du ja offenbar als Trash siehst, sehenswert. Aber weshalb sollte ich verlangen, dass irgendein anderer hier, der lieber Superheldenfilme oder Schweiger sieht, mir das finanziert?
    Nur ganz kurz: Ja ich finde es okay, wenn Trash gefördert wird. Zum einen werden damit viele Menschen unterhalten, und zum anderen werden genau damit oft die Gelder finanziert, um die anspruchsvollen Projekte zu fördern. Es verhält sich reziprok.
    Liberté, Égalité, FuckAfdé

    Lass uns reden :beer:

  2. #11297
    Avatar von WhiteHorse
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    Zitat Zitat von fruchtoase Beitrag anzeigen
    Zitat Zitat von WhiteHorse Beitrag anzeigen
    Am besten ist was für jeden Geschmack dabei. Das Problem ist nur: Nicht jeder Geschmack zieht an der Kasse. Deshalb entsteht auch ein Ungleichgewicht seitens der Produzierenden.

    Kultur ist in Deutschland allgemein ein schwieriges Thema. Alle schaffenden würden sich freuen, wenn es nicht so eine Scheu vor einheimischen Produktionen geben würde. Das sind alles Sachen, die beachtet werden müssen. Das ergibt grundsätzlich schon keinen großen Mark, und für Genrefilme außer Comedy ist das Pflaster hart. Dennoch entstehen Filme wie Oh Boy, Victoria oder Barbara, die auf jedenfalls sehenswert sind. Womit? Mit Fördergeldern. Fördergelder, die auch mit Schweiger-Filmen erwirtschaftet wurden. Es ist ein Kreislauf, in den auch erfolgreiche Produkte gehören, die du und ich vielleicht scheiße finden. Hat aber keine Relevanz.

    Film ist auch Unterhaltung. Unterhaltung ist vielseitig.
    Staatliche Kulturförderung kann doch aber nicht ernsthaft den Anspruch haben, für jeden Geschmack irgendwas zu produzieren?
    Sollen wir Helene Fischer unter die Arme greifen bei der Produktion ihrer Alben?
    Ich hatte bisher immer die Vorstellung, dass mit solcher Förderung Projekte (welcher Art auch immer, muss ja nicht unbedingt Film sein), die (zumindest potentiell) hauptsächlich die oben von Vince bereits einmal angesprochenen "gesellschaftlichen Reflektionsprozesse" in Gang setzen, unterstützt werden sollten. Das sehe ich so nicht. Nicht bei der Filmförderung und nicht bei den ÖR.

    Dass die Deutschen mit deutschen Produktionen so ihre Schwierigkeiten haben, geschenkt. Dazu Schmitt.
    Doch, sollte sie. Damit meine ich, dass nichts benachteiligt werden sollte.

    Helene Fischers Label bekommt sicherlich Gelder, um deutsche Musik zu fördern.

    Ich habe jetzt echt keine Zeit mehr, und fühle mich, gerade von dir, falsch verstanden.
    Liberté, Égalité, FuckAfdé

    Lass uns reden :beer:

  3. #11298
    Avatar von Totally On The Wood Way
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    @Schimmel: ich denke, ich verstehe dich schon, ich sehe es schlicht anders. Dass du daraus aber direkt folgerst, man sei an Kultur nicht interessiert, ist dann schon weit hergeholt.

  4. #11299
    Avatar von KrisIbi
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    Zitat Zitat von WhiteHorse Beitrag anzeigen
    Weil du gesagt hast, Steuervorteile seien keine Förderungen. Das klingt so, als gäbe es keine Förderungen in UK. Und Steuervorteile gibt es in Deutschland auch. In der EU sind sogar UK und DE besonders hervorzuheben, was die Steuervorteile angeht. Und auch in Deutschland, gibt es wirtschaftliche Filmfonds. Und in UK gibt es auch staatliche. Fakt ist, dass es überall nicht sonderlich anders läuft, als in Deutschland. Das ist so! Wenn du das was anderes behauptest, stimmt das einfach nicht. Es gibt Unterschiede, ja, aber sie sind nicht so relevant. Die Abgabe der Kinobetreiber hast du zum Beispiel nicht im Kopf gehabt.

    Welche Zwangsgebühr bezahlst du denn für das Kino in D? Können wir bitte aufhören, Film und Fernsehen in einen Topf zu schmeißen.

    Ja, und das sind krasse gesellschaftliche Unterschiede. Das geht nicht nur Film so, sondern auch der Musik, Comicbranche und was weiß ich. Einzig deutsche Literatur liebt der Deutsche. Es gibt tolle deutsche Filme, die man mit einem offenen Geist nur mögen kann. Guckst du dir nicht an, weil sie deutsch sind. Und dann meckerst du.

    Ich möchte auch keine GEZ-Gebühr. Aber Filmförderung ist etwas ganz anders. Bitte nicht vermischen.

    Für alle anderen: Ich muss jetzt kochen.
    Eigentlich wollte ich mit meinem Beitrag nur gesagt haben, dass ich kein GEZ möchte, da diese Geld falsch eingesetzt werden. Wie wir auf Filme gekommen sind, weiß ich ehrlich gesagt selber nicht! War aber nicht meine Intention. Ich will einfach nur, dass der ÖR lediglich Nachrichten, Bildungs-TV und Wissen-TV finanziert und anbietet. Sonst nichts oder hinter einer paywall, dass die zahlen, die es schauen wollen. Was die Förderung angeht, dass ist wie du sagst, ein heikles Thema und sehr komplex. Ich bin grundsätzlich bei dem Argument, dass Zuschauer Unterhaltung bewerten und somit auch Filme. Ist der Markt nicht da, ist der Film durchgefallen - mMn.

    Ob ich einen Film sehen möchte oder nicht, entscheide ich anhand des previews innerhalb von 10 Sekunden. Das reicht mir. Und sorry, in diesen 10 Sekunden hat mich bisher kaum ein deutscher Film überzeugt...
    Geändert von KrisIbi (08.08.2022 um 19:46 Uhr)

  5. #11300
    Avatar von =Vince=
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    Zitat Zitat von KrisIbi Beitrag anzeigen
    Zitat Zitat von Totally On The Wood Way Beitrag anzeigen
    Zitat Zitat von KrisIbi Beitrag anzeigen
    Und du sprichst Frankreich an. Sehr gutes Beispiel und Vorbild.


    Nun ist dies natürlich auch rein subjektiv, aber aus meiner Sicht produzieren die damit im Schnitt wesentlich weniger Müll als Deutschland, wo es halt ein Selbstbedienungsladen für einen Club von "dazu gehörenden" ist.
    So ist es
    Und vor allem entscheiden in FRA unterschiedliche Strömungen und Organisationen wer wieviel Geld erhält. Hier hast du einen Topf und bediene dich. Warst du scheiß, dann machst du es beim nächsten Mal oder übernächsten Mal besser...in FRA würde das nicht passieren.
    Wieso, die Filmförderung in Deutschland ist doch genau wie in FRA teilweise Bund und teilweise Ländersache? Bspw. Gegen die Wand: Filmförderung Hamburg, Bremen und Berlin waren dabei und der Bund.
    Life isn’t, and has never been, a 2 – 0 victory against the League leaders after a fish and chips lunch. (Nick Hornby)

  6. #11301
    Avatar von fruchtoase
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    Zitat Zitat von Totally On The Wood Way Beitrag anzeigen
    ÖR sollte rein auf Information beschränkt werden, Unterhaltung hat da nichts zu suchen.
    Das hingegen sehe ich komplett anders.
    Auch Unterhaltung sollte im ÖR seinen Platz haben. Aber die Qualität und der Anspruch muss mMn dabei eben ein anderer sein als Helene Fischer und Vergleichbares.

    Zitat Zitat von WhiteHorse Beitrag anzeigen
    Nur ganz kurz: Ja ich finde es okay, wenn Trash gefördert wird. Zum einen werden damit viele Menschen unterhalten, und zum anderen werden genau damit oft die Gelder finanziert, um die anspruchsvollen Projekte zu fördern. Es verhält sich reziprok.
    Das ÖR als ABM für die "Kultur"branche? Na ich weiß ja nicht... Wie sollte man das rechtfertigen? Mit kulturellem Mehrwert wohl kaum, wenn Trash gefördert wird, und dann kommt zwingend die Frage auf, warum fördert man diese Branche und andere (exemplarisch die Verkäuferin bei Aldi) nicht?

    Zitat Zitat von WhiteHorse Beitrag anzeigen
    Doch, sollte sie. Damit meine ich, dass nichts benachteiligt werden sollte.

    Helene Fischers Label bekommt sicherlich Gelder, um deutsche Musik zu fördern.

    Ich habe jetzt echt keine Zeit mehr, und fühle mich, gerade von dir, falsch verstanden.
    Schlägt in die gleiche Kerbe wie das direkt darüber, das sehe ich grundsätzlich anders.
    Kann aber natürlich durchaus sein, dass ich Dich da komplett falsch verstehe.
    Geändert von fruchtoase (08.08.2022 um 21:21 Uhr)

  7. #11302

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    "Steuervorteile sind keine Förderung" ist für mich der finanzpolitische Spruch des Jahres.

  8. #11303
    Avatar von Totally On The Wood Way
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    Zitat Zitat von fruchtoase Beitrag anzeigen
    Zitat Zitat von Totally On The Wood Way Beitrag anzeigen
    ÖR sollte rein auf Information beschränkt werden, Unterhaltung hat da nichts zu suchen.
    Das hingegen sehe ich komplett anders.
    Auch Unterhaltung sollte im ÖR seinen Platz haben. Aber die Qualität und der Anspruch muss mMn dabei eben ein anderer sein als Helene Fischer und Vergleichbares.
    Das finde ich halt sehr schwierig. Letztlich ähnlich wie bei WhiteHorse, wer bestimmt denn, was "Qualität und Anspruch" sind, gerade wenn man von Unterhaltung redet?
    Ist "Der Untergang" Qualität und Anspruch? Ist ein Eichinger-Film, also nach WhiteHorse eher nicht.
    Wenn du Helene Fischer ausschließt, schließt du dann jede Musik aus? Oder nur die, die irgendeiner elitär-bürgerlichen Vorstellung von "guter" Musik nicht entspricht? Wäre Death Metal okay? Was ist mit Punkrock, der rein technisch nicht anspruchsvoll ist.
    Wenn ersteres, okay, da kommen wir uns dann näher. Würde aber auch bedeuten, keine ÖR Musiksender mehr. Wenn aber doch solche, wie das dann aufteilen? Erneut - wer kann sich anmaßen, zu bestimmen, was "gute" Kultur ist?

    Die Grundidee, "Kultur" zu fördern, kann ich verstehen. Aber bereits beim Versuch, diese "Kultur" klar - und so müsste es für faire und transparente Förderung halt sein - zu definieren, wird es extrem kompliziert.
    Zitat Zitat von lagom
    "Steuervorteile sind keine Förderung" ist für mich der finanzpolitische Spruch des Jahres.

  9. #11304
    Avatar von fruchtoase
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    Zitat Zitat von Totally On The Wood Way Beitrag anzeigen
    Das finde ich halt sehr schwierig. Letztlich ähnlich wie bei WhiteHorse, wer bestimmt denn, was "Qualität und Anspruch" sind, gerade wenn man von Unterhaltung redet?
    Ist "Der Untergang" Qualität und Anspruch? Ist ein Eichinger-Film, also nach WhiteHorse eher nicht.
    Wenn du Helene Fischer ausschließt, schließt du dann jede Musik aus? Oder nur die, die irgendeiner elitär-bürgerlichen Vorstellung von "guter" Musik nicht entspricht? Wäre Death Metal okay? Was ist mit Punkrock, der rein technisch nicht anspruchsvoll ist.
    Wenn ersteres, okay, da kommen wir uns dann näher. Würde aber auch bedeuten, keine ÖR Musiksender mehr. Wenn aber doch solche, wie das dann aufteilen? Erneut - wer kann sich anmaßen, zu bestimmen, was "gute" Kultur ist?

    Die Grundidee, "Kultur" zu fördern, kann ich verstehen. Aber bereits beim Versuch, diese "Kultur" klar - und so müsste es für faire und transparente Förderung halt sein - zu definieren, wird es extrem kompliziert.
    Na zumindest bei Filmen lässt sich das auch objektiv bewerten, ob ein Film zumindest gut gemacht ist, da muss keine Elitenpolizei eingreifen.

    Natürlich schließe ich nicht jede Musik aus. Und mit Begriffen wie elitär-bürgerlich wäre ich vorsichtig, denn die bürgerliche Klasse füllt bei der Helene die Stadien... Für Musik ist eine Bewertung anhand objektiver Kriterien sicher weniger einfach als beim Film, aber 08/15 Retortenmusik aus der Dose wie eben Helene Fischer oder vergleichbare, kann man sicher aussortieren, ohne dass es in Bezug auf kulturellen Wert allzu viel ernstgemeinten Widerspruch gäbe. Das Goethe-Institut schickt ja auch immer wieder verschiedenste Künstler ins Ausland, um Deutschland zu repräsentieren, das machen die auch mit Popmusik, aber nicht mit Retortenmusik(ern). Und deshalb ist natürlich auch Death Metal ok, wenn man z. B. zu der Einsicht gelangt, dass da ein Künstler etwas für das Genre bedeutendes schafft. Bei Punk wird das musikalisch natürlich schwierig, da käme dann eher die Textseite zur Prüfung und da gibt es sicher einiges, was eine Förderung wert wäre. Und das heißt natürlich nicht, dass ÖR-Radiosender dann ihr Publikum alle halbe oder ganze Stunde mit Nischenmusik wie Death Metal verstören sollen oder müssen, aber warum nicht ein Mal die Woche eine Stunde "Neues aus der Gruft"?

    Na niemand sagt, dass das alles supereinfach wäre, aber deshalb einfach aufgeben und entweder Gießkanne oder gar nichts? Oper und Theater z. B. wäre ohne Förderung, bei der jeder aufgrund fehlender Finanzen geschlossene Jugendclub im Strahl kotzen würde, nicht überlebensfähig. Es ist halt die Frage, ob wir als Gesellschaft diese Gattungen, die hauptsächlich von der gutsituierten oberen Mittelschicht frequentiert werden, irgendwie am Leben erhalten wollen oder nicht?

  10. #11305
    Avatar von Totally On The Wood Way
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    Zitat Zitat von fruchtoase Beitrag anzeigen
    Na zumindest bei Filmen lässt sich das auch objektiv bewerten, ob ein Film zumindest gut gemacht ist, da muss keine Elitenpolizei eingreifen.
    Ich finde, du lehnst dich da weit aus dem Fenster, denn wie genau lässt sich das denn objektiv bewerten? Ich würde davon ausgehen, dass viele der fiesen Schweiger und Pilcher Filme handwerklich "gut" gemacht sind, weil halt Profis an Kamera, im Schnitt usw. am Werk sind. Was ja auch WhiteHorses Argument ist, diesen Leuten Arbeit zu geben. Diese Filme sind halt im Prinzip Produkte und keine Kunstwerke, wobei das bei Schweiger noch in Frage zu stellen ist. Nur weil ich seine Kunst nicht mag, ist es ja dennoch so, dass er sich Gedanken darum macht, was er zeigen möchte.
    Was bedeutet also "gut gemacht"? Mit einem Budget produziert, dass einem Technik und Profi-Personal ermöglicht? Dann dreht sich das Argument im Kreis, weil ja gerade die Förderung genau das möglich macht. Ein geförderter Film ist dann gut gemacht, weil er gefördert wurde.
    Für Musik ist eine Bewertung anhand objektiver Kriterien sicher weniger einfach als beim Film, aber 08/15 Retortenmusik aus der Dose wie eben Helene Fischer oder vergleichbare, kann man sicher aussortieren, ohne dass es in Bezug auf kulturellen Wert allzu viel ernstgemeinten Widerspruch gäbe.
    Also ist dein Kriterium: "wofür es keinen ernstgemeinten Widerspruch" gibt? Also nicht mal "kein Widerspruch", sondern "kein ernst gemeinter Widerspruch", also noch eine weitere Ebene, über die man andere Sichtweisen ausblenden kann? "Helene Fischer hat mein Leben verändert" wäre demnach also dieser "nicht ernst gemeinte Widerspruch"?
    Das Goethe-Institut schickt ja auch immer wieder verschiedenste Künstler ins Ausland, um Deutschland zu repräsentieren, das machen die auch mit Popmusik, aber nicht mit Retortenmusik(ern). Und deshalb ist natürlich auch Death Metal ok, wenn man z. B. zu der Einsicht gelangt, dass da ein Künstler etwas für das Genre bedeutendes schafft.
    Das Goethe-Institut ist ja eine der Institutionen, die de facto Kulturförderung betreiben. Dass es das tut, ist also kein Argument dafür. Ich betrachte das - wie bei der Musikauswahl im Radio oder eben der Frage, welche Filme, Theater oder bildende Künstler denn so staatlich gefödert werden - als sehr fragwürdig. Letztlich ist das im besten Fall eine massive Macht einzelner, gut meinender, Leute und im realeren Fall über Jahrzehnte gewachsene Seilschaften.
    Na niemand sagt, dass das alles supereinfach wäre, aber deshalb einfach aufgeben und entweder Gießkanne oder gar nichts?
    Provokant geantwortet: ja!

    Aber halt gar nichts, nicht Gießkanne. Wobei Gießkanne noch fairer wäre als das, was real existiert.
    Oper und Theater z. B. wäre ohne Förderung, bei der jeder aufgrund fehlender Finanzen geschlossene Jugendclub im Strahl kotzen würde, nicht überlebensfähig. Es ist halt die Frage, ob wir als Gesellschaft diese Gattungen, die hauptsächlich von der gutsituierten oberen Mittelschicht frequentiert werden, irgendwie am Leben erhalten wollen oder nicht?
    Meine Antwort ist halt "nein". Weshalb ich deshalb "nicht an der Kultur teilhaben" möchte, muss mir WhiteHorse nochmal bei Gelegenheit erklären. Wobei ich natürlich am Theater halt genauso wenig teilnehmen möchte wie an Schweiger-Filmen. Nicht mein Ding. Im ersten Fall nicht mein Medium, im Zweiten nicht mein Künstler.

    Man bekommt hier staatlich oft keinen (bestmöglichen) Zahnersatz, keine Kontaktlinsen, lebt bei Grundsicherung übel an der Armut vorbei - wenn man Glück hat - während immer noch über noch weiter gehende Privatisierungen nachgedacht wird. Wie gesagt, für mich ist Kultur und Unterhaltung das allererste, was privatisiert werden sollte und umgekehrt das letzte, was in Staatshand gehört.

  11. #11306
    Avatar von Schmolle
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    Das was von uns Menschen nenneswertes überbleibt ist unsere Kunst. Kultur wird unterschätzt. Auch Kult kommt daher. Kunst dient als Inspiration für das Handwerk, es ist eines der offensichtlichsten Dinge die uns von unseren tierischen und pflanzlichen Bewohnern unterscheidet, daß wir Kultur und Kulturgüter erschaffen.
    Das ist für mich neben der Sicherung der Demokratie eine der originärsten Pflichten unseres Staates, Kultur zu fördern, Kunst zu fördern.
    Legat Power. Kasalla.

  12. #11307
    Avatar von Totally On The Wood Way
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    Zitat Zitat von Schmolle Beitrag anzeigen
    Das was von uns Menschen nenneswertes überbleibt ist unsere Kunst. Kultur wird unterschätzt. Auch Kult kommt daher. Kunst dient als Inspiration für das Handwerk, es ist eines der offensichtlichsten Dinge die uns von unseren tierischen und pflanzlichen Bewohnern unterscheidet, daß wir Kultur und Kulturgüter erschaffen.
    Das ist für mich neben der Sicherung der Demokratie eine der originärsten Pflichten unseres Staates, Kultur zu fördern, Kunst zu fördern.
    Deine Posts zum Beispiel, gerade abends, könnte man durchaus als Kunst betrachten. Foren sind Teil der zeitgenössischen Kulturgeschichte der Zeit heute. Insofern solltest du vielleicht dafür Fördergelder bekommen. Von uns allen!
    Geändert von Totally On The Wood Way (08.08.2022 um 23:42 Uhr)

  13. #11308
    Avatar von Schmolle
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  14. #11309
    Avatar von fruchtoase
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    Zitat Zitat von Totally On The Wood Way Beitrag anzeigen
    Ich finde, du lehnst dich da weit aus dem Fenster, denn wie genau lässt sich das denn objektiv bewerten? Ich würde davon ausgehen, dass viele der fiesen Schweiger und Pilcher Filme handwerklich "gut" gemacht sind, weil halt Profis an Kamera, im Schnitt usw. am Werk sind. Was ja auch WhiteHorses Argument ist, diesen Leuten Arbeit zu geben. Diese Filme sind halt im Prinzip Produkte und keine Kunstwerke, wobei das bei Schweiger noch in Frage zu stellen ist. Nur weil ich seine Kunst nicht mag, ist es ja dennoch so, dass er sich Gedanken darum macht, was er zeigen möchte.
    Was bedeutet also "gut gemacht"? Mit einem Budget produziert, dass einem Technik und Profi-Personal ermöglicht? Dann dreht sich das Argument im Kreis, weil ja gerade die Förderung genau das möglich macht. Ein geförderter Film ist dann gut gemacht, weil er gefördert wurde.
    Es geht bei der Frage nicht um die tolle technische handwerkliche Umsetzung, da triffst Du mit der Unterscheidung zwischen Produkt und Kunstwerk ja korrekt den Nagel auf den Kopf. Nein, es geht bei einer objektiven Bewertung darum, was der Film inhaltlich veranstaltet. Werden Charaktere so eingeführt, dass man irgendein Interesse an ihnen hat? Werden Handlungsentwicklungen nachvollziehbar? Ist der Film immersiv? ...
    Man muss sich z. B. nur einen neueren Star Wars anschauen, um ein reines Produkt zu sehen. Charaktere machen irgendwelchen Bullshit, den man aufgrund ihrer Charakterisierung in der Vergangenheit nicht nachvollziehen kann, Deus-ex-machina muss jedes plot hole retten, Charaktere handeln generell einfach dümmlich naiv, weil sonst der plot nicht wie gewollt vorankommt uswusf.
    Um die technische Umsetzung des Ganzen geht es dabei überhaupt nicht. Plakativer wird das, wenn man ein Medium betrachtet, in dem die technische Umsetzung diese Schwächen eben nicht kaschieren kann. Denk' z. B. mal an Puppentheater. Da sind all die Effekte, die Star Wars (zumindest an der Kinokasse) "retten" einfach nicht möglich, dementsprechend würde da ein schlechtes Stück scheitern.

    Zitat Zitat von Totally On The Wood Way Beitrag anzeigen
    Also ist dein Kriterium: "wofür es keinen ernstgemeinten Widerspruch" gibt? Also nicht mal "kein Widerspruch", sondern "kein ernst gemeinter Widerspruch", also noch eine weitere Ebene, über die man andere Sichtweisen ausblenden kann? "Helene Fischer hat mein Leben verändert" wäre demnach also dieser "nicht ernst gemeinte Widerspruch"?
    Ernstgemeint ist hier in Bezug auf Fantum zu verstehen. Man wird immer Kritik ernten, wenn man vor Fans von z. B. Helene Fischer sagt, dass das 08/15 Retortenmusik ist. Ist diese Kritik von irgendwas abseits von Emotionalität fundiert? Sicher nicht, denn HF ist 08/15 Retortenmusik.

    Zitat Zitat von Totally On The Wood Way Beitrag anzeigen
    Das Goethe-Institut ist ja eine der Institutionen, die de facto Kulturförderung betreiben. Dass es das tut, ist also kein Argument dafür. Ich betrachte das - wie bei der Musikauswahl im Radio oder eben der Frage, welche Filme, Theater oder bildende Künstler denn so staatlich gefödert werden - als sehr fragwürdig. Letztlich ist das im besten Fall eine massive Macht einzelner, gut meinender, Leute und im realeren Fall über Jahrzehnte gewachsene Seilschaften.
    Ja aber das Goethe-Institut schickt eben keine Helene Fischer. Das ist der Punkt.
    Die Kritik daran sehe ich genauso wie Du, keine Frage, und sicherlich wäre da besser mit regelmäßig rotierenden Führungsebenen dieser Seilschafterei vorgebeugt, ob das dann praktisch umsetzbar wäre... keine Ahnung.
    Aber was ist die Alternative? Der "freie" Markt? Auf dem setzt sich hauptsächlich der von den großen Agenturen verquirlte Einheitsbrei durch, eben weil er von den großen Agenturen gepushed wird. Im Radio läuft ja nicht der gleiche Scheiß Tag für Tag, weil die Moderatoren die Lieder so geil finden.

    Zitat Zitat von Totally On The Wood Way Beitrag anzeigen
    Provokant geantwortet: ja!

    Aber halt gar nichts, nicht Gießkanne. Wobei Gießkanne noch fairer wäre als das, was real existiert.
    Das ist der fdP-Ansatz, von dem ich nichts halte.
    Der Markt regelt das. Wie das dann läuft, beschrieb ich gerade.

    Zitat Zitat von Totally On The Wood Way Beitrag anzeigen
    Meine Antwort ist halt "nein". Weshalb ich deshalb "nicht an der Kultur teilhaben" möchte, muss mir WhiteHorse nochmal bei Gelegenheit erklären. Wobei ich natürlich am Theater halt genauso wenig teilnehmen möchte wie an Schweiger-Filmen. Nicht mein Ding. Im ersten Fall nicht mein Medium, im Zweiten nicht mein Künstler.

    Man bekommt hier staatlich oft keinen (bestmöglichen) Zahnersatz, keine Kontaktlinsen, lebt bei Grundsicherung übel an der Armut vorbei - wenn man Glück hat - während immer noch über noch weiter gehende Privatisierungen nachgedacht wird. Wie gesagt, für mich ist Kultur und Unterhaltung das allererste, was privatisiert werden sollte und umgekehrt das letzte, was in Staatshand gehört.
    Na ja, der Mensch ist mMn mehr als eine biologische Maschine, die nur gut gepflegt werden muss.
    Was uns von der Natur abhebt, ist eben die Kultur. Und die möchte ich nicht völlig ungeschützt dem Kapitalismus zum Fraß vorwerfen. Schau Dir die privaten Fernsehsender an, hör Dir private Radiostationen an, wer das gut findet, frisst auch kleine Kinder.

  15. #11310
    Avatar von WhiteHorse
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    Zitat Zitat von Totally On The Wood Way Beitrag anzeigen
    Zitat Zitat von Schmolle Beitrag anzeigen
    Das was von uns Menschen nenneswertes überbleibt ist unsere Kunst. Kultur wird unterschätzt. Auch Kult kommt daher. Kunst dient als Inspiration für das Handwerk, es ist eines der offensichtlichsten Dinge die uns von unseren tierischen und pflanzlichen Bewohnern unterscheidet, daß wir Kultur und Kulturgüter erschaffen.
    Das ist für mich neben der Sicherung der Demokratie eine der originärsten Pflichten unseres Staates, Kultur zu fördern, Kunst zu fördern.
    Deine Posts zum Beispiel, gerade abends, könnte man durchaus als Kunst betrachten. Foren sind Teil der zeitgenössischen Kulturgeschichte der Zeit heute. Insofern solltest du vielleicht dafür Fördergelder bekommen. Von uns allen!
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