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Thema: Mitgliederversammlung des Sport-Verein Werder v. 1899 e.V.

  1. #1
    Avatar von gemüsehändler
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    Mitgliederversammlung des Sport-Verein Werder v. 1899 e.V.

    Um die Diskussionen um die Mitgliederversammlung aus den einzelnen Threads etwas zu bündeln, kann in diesem Thread darüber diskutiert werden.
    Die letzte Mitgliederversammlung fand am 21.11.2016 statt.
    Grünkohfeldt

  2. #2
    Avatar von Bremer28259
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    So liebe Worumianer, hier nun Teil 1 des Manuskript meiner Rede auf der Mitgliederversammlung als Diskussionsgrundlage.

    Die Werder Krise!

    Von Dr. Detlev Reichelt

    Liebe Werderanerinnen und Werderaner,

    [Kurze eigene Vorstellung]

    Unsere Bundesligamannschaft steckt in einer veritablen sportlichen Krise. Uns trennen 4 Punkte vom derzeitigen Tabellenletzten, den Sportfreunden aus Stellingen. Am kommenden Samstag spielen wir gegen den HSV in dessen Stadion. Und schlimmstenfalls belegen dann die beiden in der Bundesliga verbliebenen Norddeutschen Traditionsclubs die Abstiegsränge der Bundesliga!
    Die sportliche Krise unserer Bundesligamannschaft hat eine wesentliche Ursache, die m.E. nicht allein im sportlichen Bereich liegt. Ob wir romantischen Fußballfans es wahrhaben wollen oder nicht: Fußball ist ein Geschäft und zwar ein Milliardengeschäft! Und egal ob Traditionsclubs, „Werksclubs“ wie Wolfsburg oder Leverkusen, „Retortenclubs“ wie Hoffenheim“ oder „Brauseclubs“ wie der momentane Tabellenführer RB Leipzig, in der Bundesliga kann man nur bestehen und Erfolg haben, wenn das Unternehmen „Fußballclub“ unternehmerisch gut geführt wird.

    Und genau hier, liebe Vereinsfreunde, sehe ich das Problem: Das Unternehmen Werder Bremen wird schon seit einigen Jahren nicht mehr unternehmerisch gut geführt. Es befindet sich in einer Krise, die, wenn wir, als Träger dieses Unternehmens, nicht endlich reagieren, sehr schmerzliche Folgen haben wird, von denen ein Abstieg aus der Bundesliga nur die Spitze des Eisbergs sein wird!

    Lassen Sie mich eines betonen liebe Vereinsfreunde: Wenn ich vom Unternehmen Werder Bremen spreche, dann meine ich ausdrücklich nicht den Sportverein „Werder“ von 1899 e.V., also unseren Verein, sondern die Werder Bremen GmbH & Co. KG aA, die Kapitalgesellschaft, die für das Profisportgeschäft und dessen Erfolg oder Misserfolg verantwortlich ist. Was unseren Verein angeht, sehe ich keinerlei Krise. Der Verein lebt und wird durch das Präsidium unter Hubertus Hess-Grunewald ruhig, seriös kompetent und souverän geführt. Und lassen Sie mich auch vorausschicken: Für die Krise des Unternehmens Werder Bremen kann unser Präsident Hubertus Hess-Grunwald, der ja auch Geschäftsführer der Kapitalgesellschaft ist, am wenigsten. Die Ursachen dafür liegen woanders.

    Wenn wir einmal zurückblicken, dann sehen wir, dass wir hier in dieser Mitgliederversammlung für die Ausgliederung des Profisports aus dem Verein schon 1999 die Weichen gestellt haben. Wir haben damals, auch unter dem Eindruck eines Fast-Abstiegs, eine neue Vereinsstruktur beschlossen. Diese Vereinsstruktur nahm schon in den wesentlichen Ansätzen die 2003 erfolgte Gründung der Werder Bremen GmbH & Co. KG aA und die Ausgliederung der Profisportabteilungen, insbesondere der Bundesligamannschaft, vorweg. Ich erinnere mich gut, dass ich damals 1999 in dieser Mitgliederversammlung das Wort ergriffen und für diese Strukturen geworben habe. Ich habe aber damals schon auf zwei Punkte hingewiesen. Erstens, solche Strukturen dürfen nicht statisch sein, sondern sie müssen laufend und immer wieder überprüft und wo nötig angepasst werden; und zweitens, jede Struktur ist nur so gut wie die Menschen, die sie mit Leben erfüllen und umsetzen.

    Nach der Strukturreform und der Ausgliederung des Profisports waren die Schaltstellen im Verein und später in der Kapitalgesellschaft zumindest bis 2009 mit jeweils vier Mitgliedern besetzt. Das waren anfangs Klaus-Dieter Fischer, Manfred Müller, Klaus Allofs und Jürgen L. Born. Und wenn wir diese Zeit heute betrachten, dann waren das die erfolgreichsten Jahre der Werder Geschichte: In die Zeit von 1999 bis 2010 fielen drei Pokalsiege, eine Deutsche Meisterschaft, sieben Champions-League-Teilnahmen – von den weiteren Pokalfinalteilnahmen und Vizemeisterschaften nicht zu sprechen. Auch wirtschaftlich war diese Zeit extrem erfolgreich. Aber das liegt lange zurück. Der letzte Pokalsieg datiert aus den Jahr 2010, die letzte Champions-League Teilnahme ebenfalls aus dem Jahr 2010. Seit dem geht es mit Werder Bremen sportlich und auch wirtschaftlich langsam aber stetig bergab. Die Tabellenplatzierungen aber auch die wirtschaftlichen Daten sprechen Bände:

    -13,9 Mio € in der Saison 2011/2012

    -7,9 Mio. € in der Saison 2012/2013

    - 9,8 Mio. € in der Saison 2013/2014

    -5,9 Mio, € in der Saison 2014/2015

    Das sind insgesamt 38,5 Mio. € Verlust in nur vier Jahren! All das in einer Zeit, in der das Produkt Bundesligafußball boomte wie nie zuvor und andere Vereine einen Umsatz und Gewinnrekord nach dem anderen vermelden konnten. Auch wenn die Bilanz für die Saison 2015/2016 einen leichten Gewinn ausweist, so ist damit die Wende noch keineswegs und schon gar nicht dauerhaft geschafft. Denn dieser Überschuss basiert allein auf den Erfolgen im DFB Pokal in der vergangenen Saison. Ohne diesen nicht planbaren und unerwarteten Erfolg, unternehmerisch spricht man von Sondereffekten, wäre auch in diesem Jahr mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein weiterer Millionenverlust zu beklagen gewesen.

    Wir müssen uns fragen, liebe Mitglieder, was sind die Ursachen für den schleichenden sportlichen und wirtschaftlichen Niedergang des Bundesligaunternehmens Werder Bremen?

    Auffällig ist zunächst, dass der Niedergang schon ab der Saison 2009/2010 allmählich einsetzte. Bis zum Juli 2009 hatte die Werder Bremen GmbH & Co. KG aA eine vierköpfige Geschäftsführung, bestehend aus dem Vorsitzenden der Geschäftsführung und Geschäftsführer Finanzen Jürgen L. Born, dem Geschäftsführer Sport, Klaus Allofs, dem Geschäftsführer Marketing Manfred Müller und dem vom Präsidium entsandten Geschäftsführer Klaus-Dieter Fischer. Im Juli 2009 wurde Jürgen Born, na sagen wir mal „zum Rücktritt veranlasst“. Seine Position wurde nicht neu besetzt, sondern die Bürde des Vorsitzenden der Geschäftsführung wurde Klaus Allofs zusätzlich zu seinen Aufgaben als Geschäftsführer Sport auferlegt, der damit ganz offensichtlich menschlich, fachlich und vom Arbeitsumfang her völlig überfordert wurde. Im Januar 2010 wurde Manfred Müller durch Klaus Filbry ersetzt, der fortan die Bereiche Marketing und Finanzen verantwortete, also auch zwei Funktionen auf sich vereinigte, die zuvor von zwei Geschäftsführern verantwortet wurden. Hinzu kam dass man offensichtlich begonnen hatte anzunehmen, die alljährliche Teilnahme an der Champions-League und die damit verbundenen Einnahmen seien eine Selbstverständlichkeit. Der gesamte Kader und die gesamte Transferpolitik waren darauf ausgerichtet. Zwar wurde Werder in der Saison 2009/2010 noch Pokalsieger und qualifizierte sich als Tabellendritter für die Champions-League. Doch es begann auch in dieser Saison schon die Serie der sportlichen und unternehmerischen Fehlentscheidungen. Erinnert sei nur an Transfer-Flops wie Carlos Alberto oder Wesley, um nur zwei zu nennen. Von den Fehlern beim Stadionumbau und den dadurch aus dem Ruder gelaufenen Kosten wollen wir gar nicht erst sprechen. Fehlentscheidungen, die es unter einer vierköpfigen Geschäftsführung mit klarer Aufgabenverteilung, die die handelnden Personen nicht überforderte, bis dahin nicht gegeben hatte. Die Serie dieser Fehlentscheidungen setzte sich in der Folgezeit fort. Seit 2011, also der Zeit, in der die Anhäufung der Verluste begann, hat Werder bis heute drei Sportdirektoren und vier Trainer erlebt. Wann hat es das in so kurzer Zeit bei uns jemals gegeben?

    Wirtschaftlich stagniert Werder in allen relevanten Kennzahlen wie Umsatz, Zugewinn an Sponsoren, Markenprofilierung und nicht zuletzt bei der Reduzierung der Kosten - vom Gewinn ganz zu schweigen. Das hängt natürlich mit dem ausgebliebenen sportlichen Erfolg zusammen lässt sich damit aber nicht allein erklären. Denn andere Vereine in vergleichbarer Situation haben in derselben Zeit wirtschaftlich und sportlich wesentlich besser performt. Und damit meine ich nicht die „großen der Liga“, sondern Vereine wie Mainz oder Mönchengladbach, die uns momentan sportlich und wirtschaftlich enteilt sind.

    Die Reduzierung der Geschäftsführung von vier auf drei Mitglieder ohne einen wirklichen Vorstandvorsitzenden, der auch als solcher wahrgenommen wird, ist eine aber nicht die alleinige Erklärung für die sportliche und wirtschaftliche Krise von Werder. Klar ist aber, ein Unternehmen wie Werder Bremen braucht einen Vorsitzenden der Geschäftsführung, der unternehmerisch denken und handeln kann und über entsprechende Erfahrungen verfügt, denn nur dann kann er auch den Unternehmern, mit denen Werder über Sponsoring, Werbung und vieles andere verhandeln muss, auf Augenhöhe begegnen. Werder braucht einen Vorsitzenden der Geschäftsführung, der präsent ist, der Werder ein Gesicht verleiht, das wahrnehmbar ist und für Erfolg steht und mit dem man sich als Vereinsmitglied, als Fan, als Unternehmer und als Bremer identifizieren kann. So wie es Jürgen L. Born jedenfalls in der Außenwahrnehmung war.

    Lassen Sie mich das an einem Bild noch deutlicher machen. Wenn das Unternehmen Werder eine Kutsche wäre, dann braucht es nicht nur die drei Pferde, die die Kutsche ziehen, sondern auch den Kutscher, der die Pferde lenkt. Und der fehlt momentan!

  3. #3
    Avatar von Bremer28259
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    Und Teil 2:

    Liebe Mitglieder, dem Unternehmen Werder fehlt es aber darüber hinaus insgesamt an echter unternehmerischer Führung sowohl in der Geschäftsführung als auch im Aufsichtsrat!

    In einem Unternehmen von der Größe und der Bedeutung Werder Bremens muss der Aufsichtsrat als Vertreter des Unternehmers der Geschäftsführung die Ziele vorgeben und die Geschäftsführer und die weiteren handelnden Personen auch daran messen, ob sie diese Ziele erreichen oder nicht. Die Geschäftsführung wiederum muss die unternehmerischen Ziele und Maßnahmen umsetzen und so definieren, dass sie von den einzelnen Bereichen des Unternehmens und den handelnden Personen auch umgesetzt und erreicht werden können.

    Mein Vorredner Lars Figura hat auf einige wesentliche Aspekte schon hingewiesen. Wenn in einem Unternehmen keine klaren Ziele formuliert und vorgegeben werden, können weder seine Führung noch seine Mitarbeiter zielgerichtet agieren, um die vorgegebenen Ziele zu erreichen. Das ist wie bei einem Schiff auf hoher See: Wenn der Kapitän nicht vorgibt wohin die Reise gehen soll, kann die Mannschaft das Schiff nicht zielgerichtet steuern, sondern das Schiff treibt planlos übers Meer und versinkt womöglich im nächsten Sturm. Und genau so, wie das planlos über die Weltmeere segelnde Schiff, kommt mir das Unternehmen Werder im Moment vor.

    Nehmen wir ein Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit. In der vergangenen Saison gab es erkennbar keine klare Zieldefinition, weder sportlich noch wirtschaftlich. Wäre am Saisonbeginn ein klares unternehmerisches Ziel gesetzt worden, z.B. ein mindestens ausgeglichenes ordentliches Betriebsergebnis und das Erreichen eines einstelligen Tabellenplatzes, dann hätte die Geschäftsführung zielgerichtet agieren können und man hätte nach der Saison Bilanz ziehen und Maßnahmen ergreifen können. Man hätte fragen können und müssen, warum der Trainer die sportliche Ziele nicht erreicht hat und ob das für die Finanzen zuständige Vorstandsmitglied die wirtschaftlichen Ziele tatsächlich erreicht hat oder ob sie ohne sein Zutun durch ein zufälliges Ereignis namens DFB-Pokal erreicht wurden. Auf dieser Basis hätte man anhand einer zielorientierten Analyse Schwachstellen erkennen und beheben können und müssen und man hätte die Weichen für die Zukunft stellen können. So geht jedes gut geführte Unternehmen vor!

    Und Werder? Nun, der ehemalige Geschäftsführer Sport, Thomas Eichin, wollte den erfolglosen Trainer vor der neuen Saison entlassen. Was richtig gewesen wäre. Stattdessen hat der Aufsichtsrat entschieden, den Geschäftsführer Sport zu entlassen. Da stellt sich die Frage, auf welcher unternehmerischen Grundlage wurde diese Entscheidung getroffen? Hatte der Trainer denn die Ziele erreicht, der Sportdirektor aber nicht? Ich kann keine sachliche Basis für diese unternehmerische Entscheidung erkennen. Der neue Geschäftsführer Sport, Frank Baumann, hat, sicher nicht ganz freiwillig, den Vertrag mit dem erfolglosen Trainer verlängert, statt ihn zu entlassen um alsbald die eigentlich schon vor Beginn der Saison richtige Entscheidung treffen zu müssen, den nach wie vor erfolglosen Trainer zu entlassen. Abgesehen von den nicht unerheblichen Mehrkosten, die sicher im hohen sechsstelligen Bereich liegen werden und sich in der Bilanz des laufenden Geschäftsjahres widerspiegeln werden, kann man bei unternehmerischer Betrachtungsweise nur den Kopf schütteln über soviel unternehmerischen Dilettantismus.

    In einem gut geführten Unternehmen mit klarer Führung und unternehmerischer Zielsetzung hätte man schon vor dem Ende der Saison erkannt, dass die gesetzten Ziele mit dem Trainer nicht zu erreichen sind. Man hätte den Trainerwechsel und meinetwegen auch den Wechsel des Sportdirektors frühzeitig geplant und ihn nach Ende der Saison konsequent umgesetzt. Damit hätte man auch die Weichen für eine bessere Saison stellen können. Aber das alles auf der Basis einer klaren Analyse von angestrebtem und erreichtem Erfolg und der Gründe dafür. Stattdessen hat man planlos und getrieben von den eigenen Fehlentscheidungen nur reagiert statt planvoll und zielgerichtet zu agieren!

    Liebe Mitglieder, wenn wir Werder als eine Familie, die vielbeschworene Werder-Familie begreifen, dann ist das Unternehmen Werder, das ja uns, dem Verein gehört, ein Familienunternehmen – unser Familienunternehmen. Fragen wir uns also als Werder-Familie, was können wir tun, damit es unserem Familienunternehmen Werder bald wieder besser geht. Allein kann das keiner von uns, aber gemeinsam können wir das. Denn letzten Endes entscheiden wir, wie und durch wen das Unternehmen Werder geführt wird. Wir wählen, nicht heute, aber generell, das Präsidium. Das Präsidium nimmt an unserer Stelle und in unserem Auftrag unsere Rechte als mittelbare Gesellschafter der Kapitalgesellschaft wahr. Wir wählen heute die Mehrheit der Aufsichtsräte die wiederum über die Besetzung der Geschäftsführung bestimmen. Sowohl darüber wie viele Geschäftsführer bestellt werden als auch wer Geschäftsführer ist. Lasst uns also sehr genau hinschauen und kritisch hinterfragen, wen wir warum als Aufsichtsräte wählen sollen. Haben die Aufsichtsräte, die wieder gewählt werden wollen, wirklich einen so guten Job gemacht, dass sie wiedergewählt gehören? Das gilt übrigens auch für die vom Präsidium zu entsendenden Aufsichtsräte. Sind die uns vorgeschlagenen neuen Aufsichtsräte kompetent und wenn ja warum? Wer hat sie ausgewählt und auf welcher Grundlage? Warum erfahren wir offiziell erst heute wen wir wählen sollen? Haben wir überhaupt eine wirkliche Wahl oder sind wir nur Stimmvieh, das nur abknicken soll, was andernorts längst beschlossen wurde?

    Wenn wir all diese Fragen stellen, und mit den Antworten nicht zufrieden sind, dann haben wir auch das Recht zu sagen: So nicht! Wir wählen diesen Aufsichtsrat heute nicht, sondern wir wollen eine neue transparente Kandidatenfindung. Das würde Werder übrigens nicht schaden, denn die bisherigen Aufsichtsräte bleiben bis zur Neuwahl, die auch in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung erfolgen kann, im Amt. Wir können auch sagen: Nein, wenn wir wählen, wählen wir nicht im Block, sondern wenn dann jeden Kandidaten einzeln oder wir wählen einige nicht, indem wir nicht für sie stimmen. Denn mit der Wahl der Aufsichtsräte legen wir das Schicksal unseres Familienunternehmens für die nächsten 4 Jahre in die Hände derer die wir wählen. Und da sollten wir uns sehr ausführlich darüber informieren wen wir wählen und unsere Stimmen mit Bedacht abgeben!

    Liebe Mitglieder, wenn wir uns diese Fragen stellen, führt das auch zu einer Frage, die Gegenstand eines weiteren Tageordnungspunktes ist. Nämlich der Frage, ob die Strukturen so, wie sie 1999 und 2003 von uns beschlossen wurden, heute noch richtig sind. Klaus Dieter-Fischer hat diese Frage aufgeworfen in dem Antrag, der später zur Tagesordnung ansteht. Ich weiß, dass Klaus-Dieter Fischer dafür viel Kritik einstecken musste. Diese Kritik mag auch zum Teil berechtigt sein. Man mag kritisch hinterfragen, ob die Art und Weise, die Motivation und die Zielsetzung richtig und einem Ehrenpräsidenten angemessen sind. Aber man muss auch ehrlich sagen, dass Klaus-Dieter Fischer im Kern Recht hat. Wir sollten und müssten unsere Strukturen im Verein, in der KG und in den Beteiligungsgesellschaften immer wieder hinterfragen, insbesondere in Zeiten des ausbleibenden Erfolgs. Das muss man nicht nur, wie KDF in seinem Antrag schrieb, alle 7 – 10 Jahre tun. Denn dann, lieber Klaus-Dieter, müsstest Du Dich ja fragen lassen, warum Du das nicht getan hast, denn dieser Zeitraum fiel ja in Deine Amtszeit als Präsident und Geschäftsführer. Man muss, wenn man in einem so erfolgsgetriebenen Geschäft wie der Fußball-Bundesliga tätig ist, diese Prüfung ständig und kontinuierlich vornehmen. Das aber, so muss man konstatieren, ist bei Werder seit vielen Jahren vernachlässigt worden.

    Und es gibt viele Punkte an den Strukturen, die man kritisch hinterfragen muss. Zum Beispiel, ob es richtig ist, dass das Präsidium ohne Rückkoppelung mit dem obersten Organ des Vereins, der Mitgliederversammlung, also uns, Aufsichtsräte entsenden kann. Ob es richtig ist, dass ein nur aus vereinsinternen Funktionären bestehender Wahlausschuss, dem ich nicht den guten Willen, die Integrität und das „Werder-Blut“ absprechen möchte, dessen fachliche Kompetenz man aber hinterfragen muss, die Kandidaten für den Aufsichtsrat auswählt. Ob das Procedere für Kandidatenvorschläge durch die Mitgliedschaft und die Wahlen insgesamt so kompliziert sein muss. Man mag auch die Besetzung manches Vereinsgremiums und die jeweilige Mandatsdauer hinterfragen. Schließlich mag man auch hinterfragen ob es sein darf, dass ein Kandidat für den Aufsichtsrat ein sonstiges Vorstandsamt im Verein innehat. Denn man darf nicht vergessen, wenn ein Präsidiumsmitglied zum Aufsichtsrat bestellt wird, dann muss er als Kontrollorgan auch das Handeln des Präsidenten als Geschäftsführer kontrollieren und ihm wo nötig Einhalt gebieten. Der Präsident ist ihm aber durch das Präsidium verbunden und ihm dort in der Hierarchie übergeordnet. Da fällt es schwer, unbefangen und neutral das Aufsichtsratsmandat, das völlige Unabhängigkeit erfordert, auszuüben. Und wir hatten Zeiten, da war der Aufsichtsrat mit bis zu drei Mitgliedern des Präsidiums besetzt.

    Es gibt also an den Strukturen vieles zu hinterfragen. Eines aber sollten wir auf keinen Fall zur Disposition stellen: Nämlich die Entsendung eines Geschäftsführers durch das Präsidium. Denn nur durch die Entsendung eines Geschäftsführers ist das Präsidium über die Einzelheiten des Tagesgeschäfts kontinuierlich informiert und kann nötigenfalls unmittelbar steuernd in das Tagesgeschäft eingreifen. Weder kann das Präsidium als Vertreter der Gesellschafters in das Tagesgeschäft eingreifen noch kann und darf das der Aufsichtsrat. In jedem guten Familienunternehmen ist daher mindestens ein Vertreter der Eigentümerfamilie in der Geschäftsführung. Das muss nicht immer ein Mitglied der Familie sein, sondern es kann auch ein von der Familie beauftragter Dritter sein. Aber momentan sind wir als „Eigentümerfamilie“ mit unserem „Familienmitglied“, unserem Präsidenten Hubertus Hess-Grunewald, da bestens aufgestellt.

    Wie zu hören war, hat das Präsidium bereits einen „Satzungsausschuss“ nominiert. Wenn es stimmt, was zu lesen war, dann ist die Besetzung mit der Forderung, die KDF für die Besetzung des Satzungsausschusses formuliert hat, nahezu identisch. KDF hatte gefordert, der Satzungsausschuss solle von Werder-Justitiar Tarek Brauer geleitet werden. Jedes Vereinsorgan soll einen Vertreter entsenden, ferner sollte ein namentlich benannter Wirtschaftsprüfer wegen der „steuerlichen Fragen“ und der ehemalige Werder-Anwalt Dr. Plenge sowie KDF selbst wegen ihrer „intensiven Kenntnisse des Ausgliederungsprozesses 2003“ in dem Satzungsausschuss beteiligt sein. Wenn also die in der Presse genannte Besetzung des Satzungsausschusses stimmt, dann sind bis auf KDF selbst genau die Personen im Satzungsausschuss tätig, die unser Ehrenpräsident gefordert hat.

    Das, liebe Mitglieder kann und darf aber nicht sein!

    Tarek Brauer z.B. mag als Jurist fachlich qualifiziert sein, das kann ich nicht beurteilen. Aber er ist Angestellter der Kapitalgesellschaft, die wiederum dem Verein gehört. Wenn die Satzungskommission tatsächlich über die Satzung des Vereins, die Satzung der Kapitalgesellschaft und die Satzung weiterer Beteiligungsgesellschaften befinden und Änderungen vorschlagen soll, dann betrifft das die Rahmenbedingungen unter denen diese Einheiten funktionieren. Tarek Brauer würde also als Angestellter der Kapitalgesellschaft darüber damit entscheiden, wie sein Arbeitgeber und dessen Eigentümer funktionieren sollen.

    Wenig zielführend ist es auch, den ehemaligen Werder-Anwalt Dr. Plenge „wegen der Kenntnisse um den Ausgliederungsprozess 2003“ in den Satzungsausschuss zu berufen. Wenn man dem Verein neue, moderne und in die Zukunft gerichtete Strukturen geben möchte, dann brauche ich dazu neue Ideen und neue Einflüsse, nicht den Einfluss derer, die die Strukturen geschaffen haben, die offenbar nicht mehr funktionieren.

    Auch die Besetzung mit Mitglieder der übrigen Vereinsorgane ist nicht sinnvoll. Eine Überprüfung der Satzung erfordert auch, die Funktion und Besetzung dieser Organe zu prüfen. Sind wir ehrlich, wenn ich Mitglied eines Organs bin und es müsste überprüft werden ob diese Organ in dieser Form und Besetzung noch notwendig ist, ich täte mich schwer mit einem unbefangenen Urteil, denn ich wäre ja Richter in eigener Sache. [Beispiel Altersbegrenzung Ehrenrat].

    Und nicht zu vergessen: Das oberste Organ eines Vereins ist die Mitgliederversammlung. Sind wir beteiligt worden?

    Liebe Vereinsfreunde, wenn wir es mit einer Überprüfung der bestehenden Strukturen ernst meinen und nach neuen, in die Zukunft gerichtete Strukturen suchen, dann sind wir gut beraten, einen Satzungsausschuss einzusetzen, der mit fachlich kompetenten Vereinsmitgliedern besetzt ist, die keine Vereinsämter innehaben und daher frei von jeglichen denkbaren Interessenskollisionen die notwendigen Strukturprüfungen vornehmen können. Ich bin sicher, dass wir dafür ausreichend fachliche und persönliche Kompetenz in unserem Verein finden.

    Liebe Mitglieder, lassen sie mich mit einem Appell an sie alle schließen: Das Unternehmen Werder ist in der Krise. Aber wir, als Eigentümer können und müssen Einfluss darauf nehmen, diese Krise zu überwinden. Lassen sie uns daher konstruktiv kritisch sein, lassen sie uns kritisch hinterfragen was uns erzählt und zur Wahl gestellt wird. Lassen Sie uns aktiv Einfluss nehmen statt immer nur brav abzunicken und stumpf zu glauben und zu wählen, was uns vorgesetzt wird.

    Wir haben heute die Chance, damit anzufangen. Helfen wir als Werder Familie mit, unser Familienunternehmen aus der Krise zu führen!

    Herzlichen Dank und lebenslang Grün-Weiß!

  4. #4
    Avatar von werderlo
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    Cool, danke. Auch wenn ich das nicht alles bewerten kann und laut den Gegenrednern auch nicht alles stimmen mag, war das ENDLICH mal ein anderer Ansatz und ein Aufbruch aus der SED-Mentalität, was bei den meisten gut ankam und sicher auch das Abstimmungsverhalten beeinflusst hat. Dein Problem war die späte Uhrzeit, sonst hätte es wohl noch mehr verändert. Weitermachen, ich glaube, unter den Mitgliedern ist die Bereitschaft zu Konflikten und differenzierteren Abstimmungen deutlich gesgiegen. Leider wurdest du von den "wichtigen" Herren ziemlich weggebügelt.

  5. #5
    Avatar von Bremer28259
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    Danke. Aber das mit dem "Wegbügeln" habe ich nicht so empfunden. Es zeigte mir eher Betroffenheit der Angesprochenen über das Angesprochene. Vielleicht setzt das ja auch eine Denkprozess in Gang.

  6. #6
    Avatar von Bremer28259
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    Also, zum ersten ist die Forumsanrede das DU, das sollte es auch bleiben.

    Zweitens steht Dir natürlich das Recht zu, meine Rede kritisch zu sehen und kritisch zu bewerten.

    Drittens: habe ich den Satzteil vom "unternehmerischen Dilletantismus" in der Rede tatsächlich weggelassen, dafür ein paar andere Sätze spontan hinzugefügt. Das ist bei solchen Reden immer so.

    Aber: zu allem was ich gesagt habe stehe ich. Die Darstellung der Aufgabenverteilung im Vorstand früher und heute ist korrekt. Ich habe beruflich und gesellschaftlich mit Klaus Flbry mehrfach zu tun gehabt. Und meine Einschätzung ist, dass er ein guter Manager ist, der in einem Team gut funktioniert, der seinen Job so gut macht wie es die Umstände zulassen, der aber kein "Leader" ist. In seinen früheren Stationen war er das auch nie und musste es auch nicht sein. Wenn man das als eine Beleidigung sehen will, dann bitte. Aber dann können wir den Begriff "Kritik" auch gleich aus unserem Wortschatz streichen.

  7. #7
    Avatar von Steffen
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    Im ersten Teil zur sportlichen und wirtschaftlichen Bewertung sind doch einige Fehler/Ungenauigkeiten drin. Z.B. der Vorwurf von Fehleinkäufen, das macht ja niemand absichtlich und die einhellige Meinung zu den Transfers, auch in den Medien und unter den Fans, war, dass sie uns sportlich weiterhelfen können. Dass CA und Wesley sich hier dann nie richtig eingelebt haben (bzw. da teils noch ganz andere Probleme bestanden), kann immer passieren. Der Stadionumbau wurde maßgeblich von Manfred Müller vorangetrieben, die Sponsoreneinnahmen konnten trotz sportlicher Talfahrt gesteigert werden. Und das ist nur das, was mir auf den ersten Blick auffällt.

    Die Ausführungen zu den Vereinsstrukturen finde ich dagegen sehr interessant, kenne mich da inhaltlich aber auch weit weniger aus.

  8. #8

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    Bremer28259: Fachlich und sachlich hervorragende Analyse.Immerhin hat es die " Funktionäre" unruhig gemacht und zu einer typischen Reaktion verleitet.Ein " Familienunternehmen" hat in der Regel einen Gründer mit der dazugehörigen Familie. Bei Werder haben wir hingegen eine Funktionärs Clique, die sich gerne als " Familie" geriert und entsprechen autark und autonom handelt, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen ( Stichwort beratungsresistent).Wo so etwas hinführt, kann man derzeit erkennen.

  9. #9
    Avatar von Weserwunder1899
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    Ich finde das gut, dass auch mal etwas schärfer und kritischer hinterfragt bzw. angesprochen wird auf so einer Veranstaltung. Deinen Vortrag empfinde ich als sehr lesenwert und empfehle ich jedem dem der Verein am Herzen liegt mal zu lesen.

    Schade, dass auf der Mitgliederversammlung nicht wirklich darauf eingegangen wurde.
    Ralf Rangnick für den Neuaufbau! Weltherrschaft incoming...

  10. #10
    Avatar von Bremer28259
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    Zitat Zitat von Sonnenblume Beitrag anzeigen
    Die Aufgabenverteilung bezieht sich darauf, was ein AR im Bezug auf Geschäftsführungsmaßnahmen vorgeben kann und was nicht.

    Von daher stehe ich in der Tat auch zu meiner Kritik. Ich finde ja auch, dass man da nicht alles abnicken muss, aber ich glaube nicht, dass das in der Form viel bewirken wird.
    Die Kompetenzen des AR sind durch die Satzung der GmbH & Co. KG sehr beschnitten, denn darin ist ausdrücklich bestimmt, dass ein für die Kompetenzen des AR sehr wesentliche Bestimmung, nämlich §111 Abs. 4 Satz 2 AktG keine Anwendung findet. Diese Bestimmung im Aktiengesetz lautet:
    Die Satzung oder der Aufsichtsrat hat jedoch zu bestimmen, daß bestimmte Arten von Geschäften nur mit seiner Zustimmung vorgenommen werden dürfen.
    Daraus folgt, dass der AR keinen Einfluss auf das operative Geschäft nehmen kann. Zwar sieht die Satzung der GmbH & Co. KG insgesamt vier Arten von Geschäften vor, die der Zustimmung des Aufsichtsrates bedürfen (Verkauf und Belastung von Grundstücken in bestimmter Höhe, Gründung von Unternehmen der Erwerb von Beteiligungen an Unternehmen unter bestimmten Umständen sowie Ausgabe von Schuldverschreibungen oder Aufnahme von Darlehen in bestimmter Höhe), die haben aber so gut wie nichts mit dem operativen Geschäft eines Profisportunternehmens zu tun. Daneben bestellt der AR die Mitglieder der Geschäftsführer. That's it.

  11. #11
    Avatar von Norge
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    Ich musste ja ein bisschen schmunzel, als ich diesen Teil las:
    Liebe Mitglieder, wenn wir Werder als eine Familie, die vielbeschworene Werder-Familie begreifen, dann ist das Unternehmen Werder, das ja uns, dem Verein gehört, ein Familienunternehmen – unser Familienunternehmen. Fragen wir uns also als Werder-Familie, was können wir tun, damit es unserem Familienunternehmen Werder bald wieder besser geht.
    Ich bin mir nämlich nicht sicher, ob diejenigen, die immer von der Werderfamilie sprechen, diesen Begriff wirklich so weit fassen würden oder ob da nicht eher an denjenigen gedacht wird, die bei Werder in führender Position sind (oder mal waren), sowie verdiente Ex-Spieler, die sich um den Verein verdient gemacht haben. Insofern hat mich deine Vereinnahmung des Begriffs auch für normale Mitglieder gut gefallen.

    Insgesamt empfinde ich den gesamten Beitrag eigentlich recht gut. Vielleicht wäre es im Sinne der Vermittelbarkeit besser gewesen, ihn etwas kürzer und prägnanter zu machen und nicht (überspitzt gesagt) die gesamte Geschichte Werders seit der Jahrtausendwende nachzuerzählen. Sicher hast du aber mit dem Beitrag mal neuen Wind und ein paar Gedankenanstöße in die Versammlung gebracht. Das kann sicher nicht schaden.

  12. #12

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    Gab es darauf Feedback von den handelnden Personen?
    Ekelhaft, alles ekelhaft!

    Der Kopf tut weh, die Füße stinken, Zeit ein neues Bier zu trinken...

  13. #13
    Avatar von werderlo
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    HHG hat sich dafür gerechtfertigt, dass die Kandidaten für de AR erst am Tag der MV öffentlich bekannt gegeben werden und hat dann vorgeschlagen, wieder en Block abzustimmen, wobei es doch eine Menge Gegenstimmen gab und diese mmn nur aufgrund der Uhrzeit in der Minderheit blieben. KDF sagte so etwas wie, dass die kritisierten Strukturen mit der erfolgreichsten Zeit zusammenfielen. Ansonsten wurde sehr wenig darauf eingegangen. Aber ich denke, besonders die Kritik an der AR-Wahl kam an. Bei den Mitgliedern definitiv. An diesen Stellen gab es Applaus. Und mir persönlich (war zum 3. Mal da) waren diese äußerst kritikwürdigen Punkte bisher auch nicht bewusst gewesen.

  14. #14
    Avatar von Duffman
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    Zitat Zitat von Bremer28259 Beitrag anzeigen
    So liebe Worumianer, hier nun Teil 1 des Manuskript meiner Rede auf der Mitgliederversammlung als Diskussionsgrundlage.

    Der letzte Pokalsieg datiert aus den Jahr 2010, die letzte Champions-League Teilnahme ebenfalls aus dem Jahr 2010.

    Guter Redebeitrag Herr Kollege, aber ist dieser Fehler eingentlich keinem aufgefallen?
    Es ist sinnlos zu sagen: Wir tun unsere Bestes. Es muss dir gelingen das zu tun, was erforderlich ist. (Winston Churchill)

    There is a light that never goes out

  15. #15

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    Danke Bremer für die Transparenz, mit der du mit deinem Redebeitrag auf der MV umgehst, finde ich sehr gut. Ebenso finde ich es gut und sinnvoll, wenn es kritische Redebeiträge auf einer MV gibt.

    Die impliziten Regeln einer Vereinskultur erkennt man am besten, wenn man gegen sie verstößt. Daher hätte ich gerne die Reaktionen auf den Beitrag auf der MV erlebt. Nachdem ich den Beitrag nun gelesen habe, würde ich jedenfalls sagen, dass die Rückmeldung von @Sonnenblume, er sei "beleidigend", mehr über sein Verständnis der Vereinskultur und was mit ihr erlaubt oder geboten sei als über den Beitrag selber aussagt.

    Sehr viel der Kritik bezieht sich auf die Strukturen, und mit fehlt da der Einblick und die Kompetenz, um sie bewerten zu können. Ich weiß z.B. nicht, wieviel externes Know How üblicherweise in einem Satzungsausschuss vergleichbaren Gremien zu finden ist. Ich würde jedenfalls nicht kritisieren, dass jemand dort mitarbeiten soll, weil er an vorherigen Umstrukturierungen beteiligt war. Zumindest nicht dann, wenn man diese Umstrukturierungen zu diesem Zeitpunkt sinnvoll fand. Dass die Strukturen irgendwann möglicherweise nicht mehr zeitgemäß sind, ist ja auch nach deiner Lesart unumgänglich und insofern für mich allein kein Anlass, eine Person von zukünftigen Umstrukturierungen auszuschließen (bezieht sich auf Dr. Plenge).

    Mein Eindruck von sehr weit draußen ist, dass Strukturen nicht der Hebel sind, an dem anzusetzen wäre. Sie und vor allem die Art und Weise, wie sie gelebt werden, sind meinem Eindruck nach eher Ausdruck dessen, was sich als Selbstverständnis oder Kultur des Vereins in Form einer Art Legendenbildung etabliert hat. Und hier habe ich den Eindruck, dass es in der Folge bei Werder z.B. kein gutes Verhältnis der Entscheidungsprämissen Kompetenz- und Leistungsorientierung auf der einen Seite und Vereinszugehörigkeit und Familiarität auf der anderen Seite gibt. Das mag sich auf Strukturen und Personalentscheidungen niederschlagen, die sind aber meiner Meinung nach nicht die Ursache sondern eher das Selbstverständnis, die Vereinskultur.

    Nicht folgen würde ich deiner Kritik, wenn es um "klare sportliche und wirtschaftliche Zieldefinitionen" geht. Das finde ich höchstens auf der Seite der Kosten sinnvoll. Der sportliche Erfolg und in der Folge auch ein großer Teil der Einnahmen sind nur bedingt planbar und ich sehe nicht den Sinn darin, nun einen genauen Tabellenplatz und genaue Zieleinnahmen zu definieren. Im Gegenteil macht man sich damit mMn nur zahlenabhängig und wird dem Wesen des sportlichen Wettbewerbs mit seiner hohen Abhängigkeit von schwer kontrollierbaren Einflussgrößen nicht gerecht. Hier finde ich es im Gegenteil eine Stärke von Werder, sich mittel- und langfristig aber auch inhaltlich-sportlich zu orientieren, statt sich dem Kurzfrist-Diktat von Kennzahlen zu unterwerfen, wie das in einer AG in anderen "Branchen" vielleicht üblich und sinnvoll ist. Eine solche Auffassung birgt zugegebenermaßen den Gefahr und die Möglichkeit in sich, dass man sich über Jahre in die Tasche lügt, Missstände deckelt usw. . Aber dieser Gefahr würde ich lieber durch eine ausgeprägtere Leistungskultur (die sich dann auch in Strukturen und Personalentscheidungen niederschlagen sollte) und durch offene Streitkultur begegnen wollen als durch eine zu controllingorientierte "Unternehemnsführung".
    Geändert von George Weah [Mod] (23.11.2016 um 15:12 Uhr)

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